Meine 1. Buchrezension…

…in Spektrum der Wissenschaft „Gehirn und Geist“ ist ab dieser Woche in der neuesten Print-Ausgabe zu lesen 🙂 🙂 🙂

Letztes Jahr vor Weihnachten wurde ich von der Redaktion gefragt, ob ich nicht das Buch der dänischen Psychotherapeutin Ilse Sand über Hochsensibilität rezensieren möchte – und ich muss sagen: Es war mir ein sehr großes Vergnügen!

Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen – und weiter unten nun die vollständige Rezension, wie sie auch auf den Seiten von „Gehirn und Geist“ zu finden ist.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht euch
Julia

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Die Kraft des Fühlens – Hochsensibilität erkennen und positiv gestalten, Ilse Sand

Leseprobe, aus: www.chbeck.de

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das schätzungsweise jeden fünften bis siebten Menschen betrifft. Untersuchungen zufolge ist das Nervensystem von Hochsensiblen besonders empfänglich für äußere und innere Reize. Es verarbeitet diese tiefer, so dass sich die Betroffenen schneller reizüberflutet fühlen, emotional heftiger reagieren und die Welt intensiver erleben. Die Charaktereigenschaft kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, was es schwer macht, sie bei sich oder anderen zu erkennen oder allgemein gültige Tipps für den Umgang damit zu geben.

Autorin Ilse Sand ist Psychotherapeutin und selbst hochsensibel. Ihr Buch richtet sich vor allem an Betroffene, die ihre „Wahrnehmungsbegabung“ positiv nutzen möchten, sowie an Angehörige, Arbeitgeber und Fachexperten. Sand lädt die Leser dazu ein, die Charaktereigenschaft anzunehmen und wertzuschätzen. Dabei scheut sie sich nicht, von eigenen Erlebnissen zu berichten, etwa: „Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, in meinem Kopf keine weiteren Informationen mehr aufnehmen zu können, wenn ich zu vielen Reizen ausgesetzt bin.“
Viele Hochsensible schämten sich für ihren Wesenszug, schreibt Sand. Es sei wichtig, sich davon zu befreien. Schuldgefühle beeinträchtigten das Leben vieler feinfühliger Zeitgenossen: „Es würde Ihnen sicherlich guttun, sich nicht ständig zu entschuldigen und stattdessen das schlechte Gewissen auszuhalten. Das ist nämlich der Preis, den Sie manchmal bezahlen müssen, um sich selbst treu zu bleiben.“ Auch den Umgang mit Wut hält die Autorin für entscheidend, da dieses Gefühl tiefer liegende Emotionen verdecke, etwa Trauer.

Hinderlich für ein gesundes Selbstwertgefühl seien oft unbewusste Lebensregeln, die man wie ein Korsett mit sich herumtrage. Etwa die Ansicht, es allen recht machen zu müssen, so dass eigene Bedürfnisse nicht wahrgenommen und erfüllt werden. „Bereits allein dadurch, dass Sie sich mit Ihren Lebensregeln kritisch beschäftigen und auseinandersetzen, wird ein positiver Prozess in Gang gesetzt“, glaubt die Psychotherapeutin. Außerdem gibt sie konkrete Tipps, wie man ein Leben mit Hochsensibilität effektiv gestalten kann. Zum Beispiel könnten Betroffene lernen, Gespräche so zu steuern, dass sie aus ihnen Kraft schöpften, anstatt „im Wortschwall des Gegenübers zu ertrinken“. Dafür müssten sie erkennen, auf welcher Gesprächsebene sie sich gerade bewegten, und aktiv Einfluss auf die Tiefgründigkeit der Konversation nehmen. Sand präsentiert auch eine Sammlung Energie bringender Aktivitäten, aus der jeder Leser eine für sich passende heraussuchen kann. Zudem ist es möglich, sich in einem eigens entwickelten Hochsensibilitätstest zu prüfen.

Erfahrungsberichte von Klienten lockern das Buch auf. Es ist Sand ein Anliegen, psychische Leiden unter Einbeziehung von Hochsensibilität neu zu betrachten. Sie glaubt, eine psychotherapeutische Standardbehandlung könne bei Patienten mit diesem Persönlichkeitsmerkmal zu einer Verschlechterung des Zustands führen.

Der Markt wird zwar geradezu überschwemmt mit Literatur zu diesem Thema. Ilse Sand setzt mit ihrem Erstlingswerk – in Dänemark und Schweden bereits ein Bestseller – dennoch Maßstäbe. Denn ihr glückt das Kunststück, Hochsensibilität in ihrem Kern zu erfassen und hochsensiblen Lesern eine wohlüberlegte Anleitung zum Umgang mit sich selbst an die Hand zu geben.

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14 Gedanken zu „Meine 1. Buchrezension…

  1. Bibi

    Das Buch ist der Hammer! Habe es verschlungen und es war wie eine kleine Erleuchtung. Dachte, ich kenne mich jetzt schon ganz gut, aber in dem Buch gab es noch einiges, dass mir neu war oder mich zum Nachdenken über vergangene Situationen bewegt hat.
    Vielen Dank dafür 🤗

    Gefällt 2 Personen

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  2. Benita Wiese (Pseudonym)

    Liebe Julia,
    vielen Dank für deine hilfreiche und gut geschriebene Rezension.
    Das Buch von Ilse Sand steht schon länger auf meiner Liste von interessanten Büchern. Ich habe es als Probe auf meinem e-Reader drauf. Mag dich nun fragen, ist es ein Buch, mit dem ich „arbeiten“ kann und sollte? Dann ist es vielleicht in einer Print Ausgabe besser, weil ich dann Post-its hineinkleben kann und mit Anmerkungen versehen.

    Kannst du mir da bitte deine Ansicht schreiben?

    Vielen Dank auch für die Links zu Leseproben oben in den Kommentaren.
    Liebe Grüße
    „Benita“

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  3. freudenwege

    Vielen Dank für diese hilfreiche Rezension. Ich überlege seit Monaten, welches Buch zu diesem Thema ich mir zulegen soll. Nun ist die Wahl wohl getroffen. Es sei denn, du möchtest mir ein anderes Buch ans Herz legen 😉 Ich stöbere immer wieder sehr gerne hier auf deinen Seiten und freue mich, über die Infos, Einblicke und Inspirationen!
    Alles Liebe,
    Julia

    Gefällt 4 Personen

    Antwort
    1. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Autor

      Liebe Julia,

      danke für deine Worte. Du hast mich gerade daran erinnert, dass ich ja noch eine Leseprobe aus Ilse Sands Buch mit auf meinen Beitrag packen wollte – das mache ich gleich.

      Denn: ich finde es schon sehr gut, dass es viele Bücher zum Thema Hochsensibilität gibt, da einem auch nicht jeder Schreibstil liegt.
      Aber da das Buch von Frau Sand so kompakt und dicht und liebevoll geschrieben ist, kann ich das nur weiterempfehlen – sowohl für „Einsteiger“ als auch „Fortgeschrittene“. Selbst ich konnte noch einiges dazulernen – und ich nehme das Buch heute immer noch in die Hand, da ich noch lange nicht alles verinnerlicht habe und immer mal wieder nachlese 🙂

      Hier der Link zur Leseprobe, den ich auch gleich in den Text einfügen werde:
      http://www.chbeck.de/fachbuch/zusatzinfos/Leseprobe_Die%20Kraft%20des%20F%C3%BChlens.pdf
      aus:
      http://www.chbeck.de/Sand-Kraft-Fuehlens/productview.aspx?product=16551955

      Es gibt mir sehr viel zu wissen und zu lesen, dass dir meine Seiten gefallen. Lieben Dank nochmal 🙂

      Ich wünsche dir alles Gute – man liest sich!
      Julia

      Gefällt 2 Personen

      Antwort
    2. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Autor

      Nachtrag:
      Ein weiteres Buch, welches ich selbst immer wieder in die Hand nehme, ist:
      „Hochsensibel durch den Tag“ von Sabine Dinkel.

      Es gibt einem viele Methoden und Tipps an die Hand, wie man in seinem Alltag besser mit seiner Hochsensibilität zurechtkommt.

      Amüsante Vorstellung vom humboldt Verlag:

      Und hier die Leseprobe:
      http://www.humboldt.de/pdf/leseprobe/9783869105147%20Dinkel_Hochsensibel.pdf

      Liebe Grüße,
      Julia

      Gefällt 3 Personen

      Antwort
      1. freudenwege

        Vielen, vielen Dank, liebe Julia, für die Leseproben und Hinweise! Da werde ich mich mal durchschnuppern und schauen, welcher Schreibstil mir mehr liegt 😉
        Wirklich toll, dass du hier so viele nützliche Infos zusammen sammelst!
        Alles Liebe,
        Julia

        Gefällt 1 Person

        Antwort
  4. Arno von Rosen

    Liebe Julia, eine sehr gelungene Rezi und man fühlt sich schon bei den wenigen Sätzen verstanden, doch ist ein kontrolliertes Abschalten der Sensibilität wirklich schwer, wenn man selber nicht wußte wie man gepolt ist. In dem Moment, wo man sich bewußt macht den Gegenüber „normal“ zu behandeln, fühlt man sich fast automatisch unsensibel bis ins Mark. Eine gute Therapeutin wird das sicher erkennen, nur bis dahin vergeht oft viel Denkarbeit auf beiden Seiten. Ich werde das Buch auf jeden Fall kaufen und danke dir für dessen Vorstellung! Hab einen wunderbaren blauhimmeligen Sonntag 🙂

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    Antwort
      1. Arno von Rosen

        Ja, genau deswegen liebe Julia, sonst packt einen, zum Beispiel bei Menschenmassen, gerne einmal der Fluchtgedanke. Es geht also darum, sich diesem Kreislauf zu entziehen mit einem Training aus der Psychotherapie. Die kann aber ein langer Prozess sein und sollte eventuell begleitet werden.

        Gefällt 1 Person

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