Archiv des Autors: Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker)

Schweigen

Ich schweige, weil der andere auch schweigt.
Ich schweige, weil ich für mich etwas tue und für mich selbst sorge.

2 * ein gleiches Tun.
2 * ein anderes Warum.

Einmal als Reaktion auf das Außen.
Passiv.

Einmal als Handeln von innen heraus.
Aktiv.

Lebendigkeit.
Selbstwirksamkeit.

(hüpf zum Ursprung)

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Der Frühling…

…ist auf dem Weg :-)))

Die Vögel merken das auch und sind vollkommen aus dem Häuschen. 🏡

Heute gab es ein wunderschönes Wolkenmeer am Himmel zu sehen, in das ich heute bei einem Spaziergang im Weinberg eingetaucht bin.

Alles Liebe und einen guten Übergang in die neue Jahreszeit wünscht Euch
Julia

 

Erleichterung…

…oder wie es ist, die innere Leere zu spüren und zu akzeptieren.

Mir ist gerade danach genau diese Worte zu schreiben. Manchmal überkommt es mich und ich suche verzweifelt nach Stichworten im Netz, die genau meinen inneren Zustand beschreiben. Warum ich das mache? Um irgendwo Halt zu finden. Die Schublade zu finden, in die ich passen möge. Nur um Gewissheit zu haben, ob ich so richtig bin, wie ich bin.

Nun – dieses angestrengte Herumsuchen kann auch eine Art Kompensation sein. Die Kompensation davor, die eigene innere Leere zu spüren und aushalten zu müssen.

Innere Leere? Was für ein fürchterlicher Begriff werden nun manche denken. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass jeder diese innere Leere in sich trägt. Manche haben sich mit ihr versöhnt, andere laufen vor ihr davon oder suchen woanders Halt, um mit ihr besser leben zu können.

Meine Vorstellung der inneren Leere? Es ist der Teil in uns, den wir bisher noch nicht über uns selbst kennengelernt haben. Ein Teil, der uns bisher fremd war. Eine Art Abenteuerspielplatz oder Schatzinsel, die wir bisher noch nicht erkundet haben.

Deshalb braucht es sehr viel Mut und Kraft, diese innere Leere erst einmal zuzulassen, zu spüren, sie da sein zu lassen. Sie anzuschauen und sie dann irgendwann zu ertasten, zu erfühlen und zu erkunden. Die Schatzkarte dafür trägt jeder in sich. Und den Abenteurer auch 😉

Was mir hilft, dieser inneren Leere zu begegnen? Selbstwahrnehmung und Alleinsein. Natur. Und das Lesen darüber, wie andere mit innerer Leere umgehen. Aber dieses Mal nicht als Kompensationsstrategie. Sondern als Konfrontation. Abenteuer.

Und um zum Titel dieses Beitrags zurückzukommen: Falls man sich dieser inneren Leere stellt, kommt irgendwann immer mehr ein Gefühl der Erleichterung zum Vorschein.

Erleichterung und eine leise Ahnung davon, wer man wirklich ist.

Einen erfüllten Tag wünsche ich Euch 🙂

Auf Schatzsuche III (am Tag danach)

Mein Kopf fühlt sich verklebt an. Die Gedanken sind zäh. Das Denken funktioniert nur noch sehr langsam.

Ein Tag nach der Massenveranstaltung schreibe ich mir im Büro kurze Stichwörter auf gelbe Post-its, damit ich diese Gedanken und diesen Zustand ja nicht vergesse und Euch darüber berichten kann 😉

Ich weiß, dieser Zustand endet bald – zum Glück weiß ich das!!! (ansonsten könnte sich eine negative Gedankenspirale einstellen gepaart mit Angst, die wiederum einen inneren Reiz darstellt – aber nicht mit mir 😉 ) Ich genehmige mir nun Langsamkeit – andere Menschen merken das nicht. Nur ich – JEDE Bewegung wird langsam und bewusst ausgeführt – und auch das Denken. Wenn ich richtigen Muskelkater nach einem Marathon habe, dann kann ich am Tag danach auch noch nicht wirklich flüssig gehen oder Treppen steigen.

Diese Massenveranstaltung wirkt ähnlich wie eine längere Trainingseinheit beim Laufen. Am Tag danach fühlt sich alles etwas träger und schwerer an und man benötigt eine Sportpause.

Nun leite ich meine These für das Thema Hochsensibilität ab: Die Massenveranstaltung bedeutet einen enorme Reizflut für das Nervensystem eines Hochsensiblen. Einen Tag später spürt der Hochsensible einen Muskelkater im Nervensystem. Dieser Muskelkater setzt einige Zeit nach einer Phase ein, die von größerer und langer Reizflut geprägt war.

Ich nenne ihn den Muskelkater des Nervensystems.

Michael Jack, Vorsitzender des Informations- und Forschungsverbunds Hochsensibilität (IFHS), nennt ihn in einem aktuellen Zeitungsbericht den Nervenkater. Miau! 😉

Es dauert ein paar Stunden, bis sich wieder ein Gefühl der Balance einstellt. Bei mir fühlt es sich sehr angenehm und wie ein Prickeln im Kopf an. Erleichterung macht sich breit 🙂

Einen guten Start in die neue Woche wünscht Euch
Julia

Auf Schatzsuche II (direkt danach)

Hallo zusammen,

zuallererst möchte ich den lieben Menschen danken, die mir in meinem letzten Beitrag so viel mentale Unterstützung ausgesprochen und über ihre eigenen Erlebnisse berichtet haben. Ich danke euch von Herzen! Das zeigt mir, dass wir zum einen nicht alleine sind und zum anderen es unterschiedlichste Strategien gibt, um selbst an Massenveranstaltungen teilzunehmen und diese wirksam – für uns selbst und für die anderen – gestalten können.

Meine Ohren säuseln immer noch 😉 Ich war in einer riesengroßen Halle und mir war zwischendurch gar nicht bewusst, dass es doch tatsächlich etwas lauter war… Auf jeden Fall hat mein Gehörgang gerade etwas zu verarbeiten – mit dem hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Eins muss ich jetzt gleich loswerden: Meine Schatzkiste ist übervoll :-))) Es fing schon morgens am Bahngleis an, als ich auf meinen Cousin traf, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Von einem Gespräch purzelte ich sozusagen ins nächste und es war überaus angenehm. Dadurch, dass ich mich auf meine Unterhaltung konzentrierte, blendete ich die Umgebung wohl aus – ich war gefühlt heute sehr oft im Flow.

Ich hatte allerdings schon Momente, wo ich lähmende Passivität herannahen sah – als ich das spürte, versuchte ich, genau in dem Moment den Schatz zu finden. Welchen auch immer. Ich versuchte, den Bezug zwischen mir und der Umwelt wiederherzustellen, in dem ich mich entweder vollständig auf mich konzentrierte und einen Bedürfnis-Check machte oder in dem ich mich mit einem Kollegen unterhielt, der neben mir saß – wenn auch nur kurz.

Es ist das Gefühl, Dinge nicht über mich geschehen zu lassen, sondern wirksam zu sein. Auch, wenn diese Wirksamkeit von Außen nicht zu sehen sein mag – auch das Konzentrieren auf sich selbst ist eine Aktivität – und das Spüren des eigenen Inneren und der eigenen Bedürfnisse hält einen lebendig bzw. führt einen in die Lebendigkeit.

Meine Schätze heute waren:

  • Ich blieb die ganze Zeit bei mir – Achtsamkeit war mein ständiger Begleiter.
  • Lebendige, unterhaltsame und gehaltvolle Gespräche
  • Reizbekömmliche Strategien, um die großen Schlangen beim Essen, bei der Ankunft und den Pausen zu vermeiden
  • Das Essen genossen (war wirklich lecker – gutes Frühstück, am Mittag Pulled Chicken, warmer Schokokuchen und gesunde Pommes 😉 ) –> obwohl sehr viele Leute außenrum waren, sind auch ständig vorbeigelaufen
  • Die Erkenntnis, dass es sich lohnt, etwas langsamer und bewusster als sonst zu bewegen und zu sprechen – das merkt niemand 😉
  • Die frische Luft in der Pause – erstmal raus und Füße vertreten
  • Die Mimik von den Menschen, nachdem sie eine ungewöhnliche Frage von mir gestellt bekommen haben
  • Das Bewusstsein, dass ich durch meine Strategien eine für mich ungewohnte Selbstwirksamkeit spüre – das ist ein wirklich befreiendes und wohltuendes Gefühl!
  • Ich bin in der Lage, mir Zeit bei der Kommunikation zu lassen. Das macht ein Gespräch – zumindest für mich – lebendiger, da ich so wirksamer rede und zuhöre. Das muss ich unbedingt auch in Situationen ausprobieren, wo ich gefühlt unter Druck stehe. Genau da hilft die gefühlte Langsamkeit…
  • Viele Menschen getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Und mit fast jedem von ihnen habe ich mich ausgetauscht. Das war schön.
  • Mit Lockerheit durch den Tag. Es kam keine Hektik auf – ich habe mich von äußeren Umständen zu nichts drängen lassen – auch nicht in der Menschenmasse.
  • Ehrlich gesagt bin ich gerade etwas baff – warum ist mir das heute so gut gelungen?
  • Mit 3 lieben Kollegen die Heimfahrt in der S-Bahn angetreten. Ein ganz wunderbarer Ausklang…
  • Nicht bis zum Schluss der Veranstaltung geblieben. Etwas früher gegangen – länger zu bleiben, hätte mir nichts mehr genützt. Im Gegenteil.
  • Mir ist bewusst geworden, dass ich immer mehr meiner Selbstwahrnehmung vertraue und diese immer mehr achte. Balsam für die Seele 🙂
  • Größere Resilienz, wenn ich den Sinn meines Daseins auf der Veranstaltung spüre und Spaß daran habe.

Das war es auch schon mit dem Rückblick für heute.

Ich würde mich sehr freuen, noch mehr von euren Strategien zu erfahren, die ihr auf solchen Veranstaltungen im Gepäck habt 🙂

Einen schönen Abend euch,
Julia

Auf Schatzsuche I (davor)

Eine Massenveranstaltung erwartet mich morgen – und zwar den ganzen Tag. Viele Menschen um mich herum, viele Geräusche, viele Gespräche, viele Eindrücke und somit viele Dinge, die aufgenommen und verarbeitet werden wollen. Die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln inklusive.

Als ich noch nichts von meiner Hochsensibilität wusste, tappte ich regelmäßig in die Reizüberflutungs-Falle. Jetzt weiß ich, dass meine Stimmung abrupt kippte ab dem Zeitpunkt, als ich keinerlei Informationen mehr aufnehmen konnte und ich im Nebel verschwand. Ich verstand das früher nicht und verurteilte mich und mein „Unvermögen“ inmitten der Überstimulation.

Als ich von meiner Hochsensibilität erfuhr, lernte ich, mich selbst zu verstehen und mit gewissen Strategien durch herausfordernde Situationen zu gehen.

Und genau das werde ich auch morgen tun. Regelmäßige Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit und Bedürfnis-Check gehören mittlerweile zu meinem Repertoire. Noch alles gut bei mir? Fehlt mir etwas? Trinken, Essen, reizarme Pause? Ich muss auch nicht alles aufsaugen und abscannen, was mir über den Weg läuft – hin zum Open Focus und entspannten Schauen. Bei mir bleiben. Es ist auch mal schön, von Menschen gefunden und angesprochen zu werden – ohne alles mit gespanntem Blick zu beobachten und ja nichts auszulassen. Soweit zum Bedürfnis-Check.

Doch morgen möchte ich einen Schritt weitergehen. Ich möchte nicht nur die strategischen Punkte angehen, um eine Reizüberflutung zu vermeiden. Ich möchte die Veranstaltung so wirksam wie möglich für mich werden lassen. Das ist so wie ein kleines bisschen nach den Sternen zu greifen. Zumindest ein bisschen 😉

Ich gehe auf Schatzsuche – und zwar nach den Menschen, Momenten und Inhalten, die mich wirklich interessieren und mich lebendig sein lassen. Treten Situationen auf, die mir nicht gut tun – verlasse ich diese oder schwenke diplomatisch den Themenfokus – denn ich muss nicht immer alles aushalten. Aktiv statt passiv.

Also – drückt mir die Daumen – ich bin gespannt, wie ich meinen Tag morgen gestalten werde und welche Eindrücke mich besonders inspirieren.

Bericht folgt…

Schlaft schön,
Julia