Archiv der Kategorie: Praktische Tipps für Hochsensible

Eine neue Erfahrung – die „Lifeline“ mit doppeltem Boden

Ich habe vor kurzem eine Entscheidung getroffen. Und dann habe ich nochmals entschieden: nämlich die Entscheidung erst 2 Wochen später in die Tat umzusetzen.

Bei meinem Feierabendspaziergang kam mir die Idee dieses Blogbeitrags.

Da ich das allgemein bekannte Wort der „Deadline“ nicht mag, benutze ich lieber das mir wohlklingendere – die „Lifeline“ – weil mich die Entscheidung und die 2 Wochen in der Tat (und vor der Tat) lebendiger machen.

Nun zu den 2 Wochen: ich habe ein immer besseres Gefühl dabei, meine Entscheidung nicht gleich umzusetzen. Ich konnte zwei Gründe dafür ausfindig machen.

Nach der Entscheidung und dem vorausgehenden Hin- und Herwälzen aller Möglichkeiten und Konsequenzen fühlte ich mich eng und irgendwie gehetzt. Bei wichtigen Entscheidungen muss bei mir das Körpergefühl einfach stimmen. Es stimmte noch nicht so ganz.

Der zweite Grund kam mir dann erst heute – ich kann es mir schlichtweg einfach leisten, noch 2 Wochen ins Land ziehen zu lassen. Und dieses innere, fahrige Gefühl, diese Unruhe, darf sich nun zeigen und sich entfalten – mal schauen, was da noch angespült kommt und sichtbar wird.

Im Laufe dieser 2 Wochen bis zur letztendlichen Ausführung werde ich immer weicher (das wurde mir beim Spazierengehen bewusst), weil ich mir die Gründe noch viel sorgfältiger und besonnener zurechtlegen kann, damit sie sich für mich wirklich stimmig anfühlen.

Also alles in allem geht es mir tatsächlich um ein stimmiges und gesundes Körpergefühl, welches mit der richtigen Entscheidung einhergeht. Und der doppelte Boden bildet sich jetzt gerade – mit dem „sich fügen“ aller auf die Waage gelegter Argumente und Szenarien. Mein Körper ruckelt sich gerade zurecht.

Diese Entscheidung ist meine Entscheidung. Und ich habe für mich entschieden.

Zum Glück!

2 x Chacka!

Welt, wir kommen! Die Erkenntnisse der Polyvagaltheorie entfalten ihre Wirkung 🙂

Meine Ausbildung zum (Business-) Coach neigt sich dem Ende entgegen und es geht ans Eingemachte. Jetzt darf all das Gelernte und Verinnerlichte umgesetzt werden. Im Kreise der anderen Teilnehmer durfte ich als Coach eine Ausbildungskollegin zu einem Thema begleiten, welches ihr Schwierigkeiten bereitet.

Früher hatte ich immense Schwierigkeiten, bei so viel Aufmerksamkeit bei mir selbst zu bleiben. Mit Hilfe der Polyvagaltheorie lässt sich erklären, warum das eigene Nervensystem in scheinbar harmlosen Situationen unangenehme Körperzustände erlebt – wie z.B. innere Unruhe, Adrenalinschübe, nach Innen kippen, das Außen nicht mehr so gut wahrnehmen können.

Jetzt weiß ich, dass ich vorher einfach nur meinen Körper bewegen und Kontakt zur Außenwelt halten muss, damit ich präsent bleibe und meinem Klienten aktiv zuhören kann. Früher habe ich mich nur auf die Sache konzentriert und war überhaupt nicht im Kontakt mit dem Außen – meine Wahrnehmung war eng und der Körper angespannt.

Vor dem Gespräch habe ich also schön in alle Gesichter geschaut, Kontakt aufgenommen und den Raum wahrgenommen – dem Nervensystem also Input geliefert, dass keinerlei Gefahr im Außen besteht. Und ich konnte mich voll auf das Gespräch einlassen. Eine für mich komplett neue Erfahrung!!! Chacka 🙂

Und jetzt kommt aber das Beste: im Laufe unserer Ausbildung erzählte ich einer meiner Kurskolleginnen von der Polyvagaltheorie und warum sich der Körper so und so verhält und was man dann tun kann.

Sie hat mir heute verraten, dass sie in ihrer Session genau das Gleiche gemacht hat. Und dann ihre Session mit Bravour gemeistert. Auch sie konnte sich voll auf ihr Gegenüber einlassen – es war einfach nur eine Freude, ihr zuzuschauen :-))) Danke, Meike, fürs Teilen deiner Erfahrung! Chacka 🙂

2 x Chacka also. Vielleicht gibt es da draußen noch ein paar mehr Chackas, wenn Menschen diesen Blogbeitrag lesen und auch die Literatur bzw. Ressourcen meiner „Lehrer“ anzapfen, die mich auf diese Spur gebracht haben: Stephen Porges (Polyvagaltheorie), Gopal Norbert Klein (Buch „Heilung von Beziehungen“), Laurence Heller/Aline LaPierre (NARM, Buch 1, Buch 2), Gabor Maté (Buch „When The Body Says No“), Franz Ruppert (Vortrag), Dami Charf (über Sucht), Kerstin Hentschel (Vortrag), Irene Lyon (über Heilung von Überlebens-Stress).

Euch allen noch ein schönes Wochenende 🙂

Liebe Grüße, Julia

Die inneren Berge

Heute Morgen bin ich vom Ramolhaus nach Obergurgl abgestiegen. Eine wunderschön gelegene Hütte im Ötztal umrundet von zahlreichen Gletschern.

Sonnenaufgang am Ramolhaus
Sehr schön gelegene Hütte 🙂
Gletscher rundherum

Beim Abstieg wurde mir klar, dass ich mich mal wieder nicht in dem Tempo befand, was eigentlich gut für mich wäre. Die beste Entscheidung des Tages war jedoch, auf der Sonnenseite abzusteigen, da der Weg hier auch viel angenehmer verlief – genau das, was ich jetzt brauchte.

Ich fühlte mich fahrig, innerlich unruhig – es war eine Art Notzustand. Wer mehr über die biologischen Hintergründe wissen möchte, informiere sich bitte über die Polyvagaltheorie von Stephen Porges.

So, was hilft mir denn nun? Sicherheit und mich selbst da abholen, wo ich mich gerade befinde. Sicherheit bekam ich durch die richtige Wahl des Abstiegs und eines gemütlichen Tempos. Dann meldete sich auch schon mein innerer Berg. Die Traurigkeit klopfte an. Zum Glück hatte ich keine Mitwanderer um mich herum und so konnte ich diesen inneren Berg ohne große Mühen zulassen und bewältigen. Das führte dazu, dass sich mein Körper entspannte und meine Wahrnehmung wieder weit wurde, die innere Unruhe verflog und eine Weichheit setzte ein. Ich konnte wieder Blümchen genießen…

Flauscheblümchen mit Gletscher
Harmloser Abstieg

Die inneren Berge… Sind mindestens genauso ernsthaft und! genussvoll anzugehen wie die Berge im Außen.

Ich verstehe unter inneren Bergen unverarbeitete Gefühle und Empfindungen, die ich die ganze Zeit vor mir hergeschoben habe (aus welchen Gründen auch immer).

Meine These: je mutiger und entschlossener ich meine inneren Berge angehe, desto konzentrierter, intensiver und stärker komme ich die Berge im Außen hoch.

Das erklärt, warum ich an manchen Tagen nicht an meine SuperDuper-Leistung komme, die mir normalerweise unglaublich viel Spaß bereitet. Sitze ich gleichzeitig vor einem inneren Berg der Traurigkeit oder der Wut oder des Hasses, so macht sich das gleich bemerkbar – mein Körper fühlt sich wie gelähmt an, fahrig, innerlich unruhig. Brems- und Gaspedal gleichzeitig gedrückt.

Die Kunst für mich ist dann, diesen Zustand rechtzeitig zu erkennen, um mich meinem inneren Aufstieg zuzuwenden (darf auch zeitgleich zum äußeren passieren). Tue ich das nicht, hilft alle mentale Anstrengung und alles Wollen nur bedingt – es würde eine Selbstkasteiung werden. Ein Kampf gegen mich selbst.

Auf dem Ramoljoch (mit Fantasie erkennt man sogar ein Herz)

Und da das Leben leicht gehen darf, hilft mir das Erkennen und Begehen meiner inneren Berge enorm, um mehr Leichtigkeit ins Außen zu bringen.

Für die Wildspitze, die Weißkugel, den Fluchtkogel und die Finailspitze hat es bei mir in der letzten Woche gereicht. Meine inneren Berge hatte ich stets im Blick und so konnte ich mich (meistens 😉 ) der herrlichen Landschaft und Ausblicke erfreuen.

Finailspitze mit Ötzi-Monument
Weißkugel
Gipfelrast am Fluchtkogel

Bin ich mir meiner inneren Berge bewusst, so kann ich umso bewusster die äußeren genießen. Schön, gell? :-)))

Viele liebe Grüße, Eure Julia

Was tun?

„Es geht darum, das Mitgefühl in diesen Menschen zu erwecken. Es ist wichtig, dass wir dieses Drittel, dass sie immer mehr das, was sie fühlen, aussprechen und drauf beharren, damit die anderen mehr Mut kriegen, zu sich selbst und zu ihrem Mitgefühl zu stehen.“ (Arno Gruen über die Unterbrechung des Prozesses der Selbstentfremdung)

Falls ihr für die Zeit zuhause noch etwas Schmökern möchtet, lege ich euch die Bücher von Arno Gruen sehr ans Herz, insbesondere:

„Der Verrat am Selbst – Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau“

„Der Fremde in uns“

„Ich will eine Welt ohne Kriege“

Alles Liebe, Julia

Eine Sch[a/u]tzkiste nicht nur für Hochsensible :-)

Viel Freude beim Lesen, Schauen und Erfahren…

Immer das große Bild im Blick behalten. Weit werden. Danke Elaine Aron 🙂

Für wenige Tage gibt es die beiden HSP-Filme für jeweils einen Mindestbeitrag von 0,99 $… Eine ganz wunderbare Doku und ein liebevoll gemachter Film. Seelenbalsam.

Und Wald. Den gibt’s immer 🙂 Und die eigene Kreativität sowieso…

Einen schönen Frühlingsanfang wünsche ich euch!

Alles Liebe, Julia 🌸

Der Elefant im Raum zwischen Reiz und Reaktion

Jeder hat schon einmal etwas von dem Elefanten im Raum gehört. Gestern hatte ich einen solchen in einem Gespräch zum Ausdruck gebracht – was einiges an Überwindung kostete, weil die Worte dafür nur schwer zu finden waren – eine innere Prägung oder Gefühle zu fassen zu bekommen, grenzt – zumindest für mich – schon fast ans Unmögliche. Ich hatte jedoch keine andere Möglichkeit, sonst wäre ich geplatzt.

Mir ist beim Radfahren die Idee gekommen, diesen Elefanten mit dem Zitat von Viktor E. Frankl und eine meiner Erkenntnisse der letzten Tage zu verbinden. Hier das Zitat: „Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

So – jetzt stelle man sich einen solchen Elefanten in unterschiedlichen Räumen vor. Im ersten Raum – im Bild unten ganz unten dargestellt, hat so ein Elefant nicht wirklich viel Platz. Da ist es sehr ungemütlich und eng. Aber immerhin ist die Reaktion dann schneller vorbei – jedoch mit einem Ergebnis, welches meine Intuition und mein Automatismus wie immer sofort ausgespuckt haben. Zack – da ist es wieder, das alte Muster und die alte Leier. Der Elefant ist so nicht wirklich kleiner geworden und tänzelt wieder wie gewohnt im Raum hin und her. Hmpf! Wie wäre es jedoch, ich würde dem Elefanten mehr Raum geben – also mehr Platz zwischen Reiz und Reaktion? Das habe ich gestern gemacht – und das auszuhalten war für mich wirklich eine Meisterleistung – denn dadurch bin ich bei mir selbst geblieben. Das hat einiges an Kraft gekostet – aber nur so kann ich mich zeigen und kann gesehen werden. Ich habe mehr Zeit, mich darauf zu konzentrieren, wie ich den Elefanten beschreibe und auf welche Art und Weise. So kann ich meinem inneren Impuls – das, was wirklich in mir drinnen ist und mir nicht anerzogen wurde – viel mehr Raum, Vertrauen und Sicherheit geben, da zu sein.

Aus alt mach neu…

Fängt man damit an, den Elefanten zu sehen oder gar ihn anzusprechen, so verwirre ich mich oder mein Gegenüber im ersten Moment, es tut manchmal innerlich auch weh. Dafür wird der Elefant im Raum kleiner und es entsteht dafür 3mal so viel Raum der Verbundenheit und Menschlichkeit. Herzraum. Man merkt das im eigenen Körper, es lösen sich Dinge und es kann einem im Nachhinein so richtig schön warm werden. Hier durchzugehen tut langfristig gesehen gut und ich werde mir selbst und meinem Gegenüber bewusster. Puuuh…

Und wenn man das sehr genau macht, dann kann es sein, dass der Elefant einem ein ganz leises „Törööö“ ins Öhrchen haucht…

Schlaft schön und bis zum nächsten Mal,

Julia

„Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen.“ Viktor E. Frankl

Absichtslos oder doch nur lose Absicht?

Oder: When „Magic“ happens…

Für mich ist das größte Glück auf Erden in der Begegnung mit einem Menschen, eine Seite in ihm oder ihr zu erspüren, die er/sie selbst bisher noch nicht kannte und die ein gewisses Erstaunen hervorruft.

Ein unglaublich schöner Moment. Voller Kreativität, Schöpfertum und neuen Möglichkeiten.

Manchmal gehe ich jedoch genau mit diesem Ziel in eine Begegnung hinein – mit dem Ziel, einen genau solchen Moment erfahren zu wollen. Mit vollster Absicht. Die aber ganz leise und trügerisch daherkommt. Im Untergrund mitwabert. Und hinterher dann die Enttäuschung, wenn ich keine Magie und Verbundenheit gespürt habe. Wie denn auch?!?

Ich wünsche mir für mich selbst, dass ich in zukünftigen Begegnungen so absichtslos wie möglich hineingehen und etwas entstehen, passieren lassen kann, was noch nie zuvor dagewesen ist. Das wünsche ich mir. Von Herzen. Meine Neugier ist kurz vor dem Platzen vor Freude 😉

Einen guten Start in die Woche Euch allen mit Begegnungen voller Wunder und Überraschungen!

Alles Liebe,
Julia

Der Mai macht alles neu…

…und so auch mein Körpergefühl – oder: Über Psoas und Pectoralis im polyvagalen Raum… (nein, jetzt nicht gleich aufhören zu lesen 😉 )

Es ist für mich zwar ungewöhnlich, direkt im Anschluss einer neuen Erfahrung und neuer Erkenntnis einen Blogbeitrag zu schreiben, aber ich mache das jetzt einfach und schreibe ins Blaue 😉

Nach meiner heutigen Maiwanderung habe ich mich mit Keksen und Kaffee auf meine Couch gepflanzt und habe etwas im Internet gesurft. Ich hatte den ganzen Tag schon so ein komisch fahriges, unruhiges aber auch zugleich starres Gefühl – das ging auch beim Wandern nicht so richtig weg.

Und gerade vor 10 Minuten hat sich in meinem Körper irgendein Muskel gelöst, entspannt – irgendetwas hat da losgelassen. Jetzt habe ich mal genauer geschaut – es muss sich hierbei um den Pectoralis handeln (Brustmuskel) – ob es jetzt der major oder minor war, muss ich am Freitag meine Expertin fragen. Seit ein paar Wochen lerne ich die Alexander-Technik und komme dadurch immer mehr zu einem bewussteren Körpergefühl und der „richtigen“ Nutzung meiner Wirbelsäule und was sonst noch so dazugehört.

Das Wichtigste, was ich hierbei gelernt habe ist, dass ich bisher überhaupt nicht bemerkte, dass mein Psoas-Muskel in vielen Haltungen verkrampft ist (auch wenn ich vermeintlich entspannt liege, sitze oder stehe). Das Gefühl, diesen Psoas-Muskel „einfach“ freizumachen und ihn loszulassen ist ein unglaublich erleichterndes Gefühl – ich habe den Eindruck, dass dadurch im Körper (und auch im Geist 😉 ) viel mehr Raum entsteht. Im Übrigen wird der Psoas auch Seelen-Muskel genannt – aber das nur am Rande 😉 …

So – zurück zu diesem Pectoralis-Muskel. Genau das gleiche, raumgebende Gefühl hatte ich gerade mit diesem Muskel im Brustbereich. Es fühlt sich unglaublich erleichternd und frei an – meine Atmung klappt viel besser und ich merke, dass der komplette Brustbereich sich entspannt hat (ein nach unten versinken).

Jetzt war mein Gedanke: Was hat dieser Pectoralis-Muskel mit dem Psoas-Muskel gemeinsam? Oder was verbindet die beiden?

In diesem Dokument wird tatsächlich ein Zusammenhang dieser beiden Muskeln beschrieben – ab Seite 16. Ich finde das hochspannend. Insbesondere auch im Zusammenhang mit der Polyvagaltheorie von Stephen Porges und dem Sicherheitsempfinden des Nervensystems. Meine These: Fühlt sich das Nervensystem nicht sicher, so ziehen sich Psoas und Pectoralis zusammen – ein automatischer Schutzmechanismus, wenn man einmal gelernt hat, dass Körperstarre ganz gut ist, um aus bedrohlichen Situationen zu „fliehen“ (hat wahrscheinlich einen ähnlichen Effekt, wie wenn sich ein Kind die Hand vor die Augen hält und sagt „ich bin jetzt nicht mehr da“ 😉 ).

Das Gute an diesen Zusammenhängen? Wenn ich ein gutes Körpergefühl entwickle – insbesondere für diese beiden Muskeln – kann ich zumindest ansatzweise herausfinden, wo mein Nervensystem gerade steht und wie ich mich wieder aus dieser erstarrten Haltung herausentspannen kann.

Klingt gut! 🙂

Euch wünsche ich noch eine schöne Restwoche und viele liebe Grüße,
Julia

Ostern – oder: auf der Suche nach sICHerheit

Über die Osterfeiertage habe ich in einem ganz besonderen Buch geblättert.

Elli und der unsichtbare Schnabel.

Simone Dräger, die Autorin, schreibt hier über ein Phänomen, welches – genauso wie Hochsensibilität auch – unsichtbar ist – sie schreibt über ihr bisheriges Leben und über eine Art unsichtbaren Teppich, der sie jeden Tag begleitet. Simone ist in vielen Situationen ihres Alltags in sich selbst gefangen und reagiert mit Nichts – also mit Sprachlosigkeit, einer hohen Erregung ihres Nervensystems und einer seelischen Starre. Sie bringt Licht und Klarheit in den Nebel des Mutismus.

Warum ich das hier schreibe? Nun, Simone schreibt nicht nur eine Geschichte über die Ente Elli – sie schreibt im 2. Teil ihres Buches auch darüber, was Mutismus genau ist und was das mit dem Zustand ihres Nervensystems zu tun hat – es ist eine Suche nach Sicherheit.

Was ich an Simones Beschreibung faszinierend finde? Sie trägt die Arbeiten sämtlicher Fachexperten und Wissenschaftler zusammen, die mich gerade selbst interessieren. Ich war wirklich baff! Aber mit Mutismus habe ich gar nichts zu tun. Nun ja, ganz früher vielleicht. Aber jetzt beschäftige ich mich mit einem ganz anderen Thema, in welchem es auch um die Suche nach Sicherheit geht.

Stephen Porges hat eine neue Theorie entwickelt um zu erklären, wie unser Nervensystem auf (Lebens-) Bedrohung von außen reagiert und wie man wieder in die Lage kommt, sich sicher zu fühlen. (Polyvagaltheorie)

Er beschreibt ganz genau, dass der gleiche Mensch in der gleichen Umgebung ganz unterschiedliche Reaktionsweisen zeigen kann, wenn sein Nervensystem sich in einem anderen Zustand befindet (Neurozeption).

Was hat das Ganze nun mit Hochsensibilität zu tun? Nun – läuft das Nervensystem auf Hochtouren und wählt es als Exit-Strategie den Freeze, also eine Starre, dann könnte ein Hochsensibler auf die Idee kommen, das wäre ja „nur“ eine Reizüberflutung. Dabei wären ganz andere Maßnahmen erforderlich. Genau bei dieser Unterscheidung sollten Hochsensible genau Bescheid wissen, wann sich ihr Körper in der Reizüberflutung befindet und wann evtl. in einem Notzustand ihres Nervensystems (oder beides).

Im einen Falle ist Reizabschottung hilfreich, im anderen Falle hilft die Stimulation des sogenannten ventralen Vagusnervs (z.B. Kontakt zu lieben Menschen, den eigenen Körper spüren, langes langsames Ausatmen, …).

Ich habe schon viel zu viel geschrieben. Warum? Weil die Suche nach Sicherheit des Nervensystems so viele verschiedene Ausprägungen haben kann wie es Sandkörner auf dem Mars gibt. Deshalb im Anschluss meiner Worte noch eine Liste von Themen, die mit Unsicherheit im Nervensystem einhergehen können. Viel Spaß beim Stöbern und beim Finden eines jeden persönlichen Ostereis 🙂 (Ei, nicht Eis, sonst hieße es Ostereises – hihi…)

Frohe Ostern uns allen!

Liebe Grüße, Julia

 

PS.: Einem Wort habe ich übrigens in meinem Text oben keinen Raum geschenkt – aus dem Grund, weil es sehr oft missverstanden wird. Dem „Raum“ schenke ich jetzt allerdings 2 Buchstaben. Ein „T“ vorne und ein „A“ hinten.

Nein, es sind nicht immer einmalige Ereignisse, die dieses auslösen, wie z.B. Krieg, Gewalt usw. Es können auch (vor-) geburtliche Ereignisse oder Ereignisse in den ersten 3 Jahren in der Entwicklung eines Kindes sein, die die Sicherheit desselben gefährden, ohne dass es den Eltern selbst bewusst ist (weil z.B. ein Elternteil selbst traumatisiert sein könnte) – Entwicklungstrauma genannt.

HSP (Elaine Aron, Ilse Sand, Tom Falkenstein)

Hochbegabung

Mutismus

Arno Gruen (alle Bücher)

Bindungsstörungen (Schutzgarten, Buch: Liebe & Bindungsangst)

Angst, Panikattacken, Prüfungsangst

Jonice Webb, CEN (Running on Empty)

Gopal Norbert Klein (Lokale Gruppen)

Buch: Entwicklungstrauma heilen (Heller, LaPierre)

Epigenetik, Kriegskinder

Wie weiter? Ganz einfach: Gute Selbstfürsorge, Kontakt zu anderen Menschen (sich selbst mitteilen, SEIN) und neue Erfahrungen (alte Erfahrungen überschreiben, TUN).

Körpertherapie (reine Gesprächstherapie kommt nicht an die tiefen Schichten des Nervensystems ran!), Sport, Musik, Natur, GfK, EFT, Alexander-Technik, Kreativität, das Eigene nach Außen bringen, Singen, Kontakt mit lieben Menschen, für mich selbst da sein und da bleiben, gute Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl (Kristin Neff), Schreiben (Stephan Konrad Niederwieser), sich mitteilen in lokalen Gruppen