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Bergführerin in Not…

…oder: wie sich in einer Situation Stärke und Schwäche zugleich zeigen können.

Welch phantastische Landschaft! Die Brenta – ein wunderbares Fleckchen von UNESCO-Welterbe breitet sich vor mir aus und auf – und mein Herz scheint verloren 🙂

Steile Felsmassive ragen empor und liegen zu meinen Füßen – die gegen Mittag aufsteigenden Nebel hüllen den Dolomitenfels in ein faszinierendes Naturspektakel. Und dann haben wir auch noch sowas von Glück mit dem Wetter… (als es die eine Woche zuhause so unglaublich heiß war, hatte ich mich in die Berge verkrümelt 😉 )

Ich bin in einer Gruppe unterwegs. Wir sind zu sechst inklusive einer Bergführerin. Irgendwann verriet sie uns, dass sie die 3. ausgebildete Bergführerin Deutschlands sei. Sie erschien mir in vielen Situationen als starke Frau, die weiß, was zu tun ist und die auch weiß, was sie will.

Das sollte sich ändern.

Denn am letzten Abend machte ihr eines ihrer Knie zu schaffen. Das hatte sich wohl schon im Laufe des Tages angekündigt – als wir noch mitten im Sentiero Bocchette Alte unterwegs waren – einem der Höhepunkte der Brenta mit wunderbaren Ausblicken und fröhlichen Kletterstellen. Nun schwoll leider ihr Knie an und die Bedenken auch. Am nächsten Tag hatten wir kein großes Programm mehr – „nur“ noch die Wanderung zur Seilbahn ohne Kraxelei. Doch auch für eine solche Strecke muss der Körper in der Lage sein, durchzuhalten. Und mit angeschwollenem Knie kann einem da der Spaß vergehen. Vor allen Dingen, wenn man sie abends laufen gesehen hat. Oh je…

Nun, was tun? Ich überlegte insgeheim schon, ihr den kompletten Rucksack abnehmen zu wollen. Nee, das ist wieder mein Retter-Automatismus der sich meldet. Zack – war die Idee da und zack – stieg mein neuer Steuerungsmechanismus ein: Ist es wirklich das, was der Situation und der Gruppe nun am ehesten hilft?

Nein. Nochmal überlegen.

Am Ende machte ich ihr abends in der Runde das Angebot, dass sie uns gerne schwere Sachen aus ihrem Rucksack geben könnte, die wir dann in unseren Rucksäcken verteilen. Sofern sie das überhaupt wollte. So wusste sie von unserer Hilfsbereitschaft und sie konnte selbst entscheiden, ob und wieviel sie bereit zu geben war. Denn nur sie konnte einschätzen, was ihr Körper zu tragen in der Lage war.

Auf einmal kam ein ganz wichtiger Satz aus ihrem Mund:

„Ich kann doch so schlecht Hilfe annehmen.“

Was für ein starker Satz. Was für ein Satz! Er drückt Schwäche und Stärke zugleich aus. Stärke deshalb, weil sie den Mut hatte, genau das auszudrücken und somit ihr Innerstes zu offenbaren und sich verletzlich zu zeigen.

Ich sagte ihr sofort: „Oh ja, das kenne ich nur zu gut.“

Wenn beide Seiten in der Lage sind, zum einen bedürfnisorientiert und würdevoll Hilfe anzubieten und zum anderen Hilfe anzunehmen – dann ist das eine WinWin-Situation. Da ist keine Schwäche mehr – da ist nur noch Stärke. Aber nur, wenn man genau hinschaut und entsprechend kommuniziert.

Warum manche Menschen so schlecht Hilfe annehmen können?

Vielleicht weil man früher nie landen durfte. Beim anderen im eigenen Sosein nie landen durfte. Die eigene Verletzlichkeit nicht gesehen werden wollte und die Hilfe anders ausfiel, als man sie eigentlich gebraucht hätte.

Vielleicht ist das ein Grund, warum man gerne lieber nur stark erscheint als sich in seiner Verletzlichkeit zu zeigen. Weil man damals überfahren wurde und es einem nicht erlaubt wurde, sich schwach zu zeigen. So wie man gerade ist. Als Mensch lebendig. Ganz.

In dieser Situation strahlte die Bergführerin eine etwas schüchtern daherkommende Liebenswürdigkeit aus. Irgendwie ein schöner Moment.

Das Ende vom Lied? Nach dem Abendessen verteilte sie im Zimmer ihre schwersten Dinge aus ihrem Rucksack: Ich nahm ihre Steigeisen, Julian durfte das Seil tragen (im übrigen war er – glaube ich – sehr stolz darauf 😉 ) und Barbara bekam noch irgendwelche Karabiner & Co. in die Hand gedrückt.

Am nächsten Tag liefen wir dann ganz langsam los und keine 15 Minuten später waren wir schon fast wieder im normalen Wandertempo unterwegs. Das Knie der Bergführerin hatte sich wieder „eingewandert“ und so kamen wir alle munter an der Seilbahn an.

Ich war mit einer wunderbaren Gruppe unterwegs, habe neue Menschen kennengelernt und vor allen Dingen neue Berge und ein neues Körpergefühl.

So darf es weitergehen 🙂

Euch allen einen guten Start in die neue Woche und liebe Grüße,
Julia

Heiteres Rätselraten: Wo bin ich?

Hallo zusammen,

Anstatt eines fertigen Reiseberichts wie sonst immer lasse ich euch jetzt mal tätig werden 🙂

Im Laufe dieses Tages und bis Freitag werde ich hier regelmäßig ein weiteres Bild veröffentlichen, damit ihr meinem Aufenthaltsort auf die Spur kommt.

Zu Beginn bekommt ihr natürlich nicht die einfachsten Bilder zu sehen, ein wenig überlegen müsst ihr schon 😉 Mit 1-2 Klicks aufs Bild könnt ihr euch die Details anschauen, falls nötig.

Wer tippen möchte, fügt einfach einen Kommentar ein. Jeder darf 3 mal tippen. Wer zuerst auf des Rätsels Lösung kommt, bekommt von mir ein „gefällt mir“.

Am Freitag Abend löse ich auf und füge den kompletten Reisebericht ein 🙂

Viel Spaß,
Eure Julia

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Ab in die Berge…

…zum Auftanken und die Natur genießen. Ursprünglich wollte ich ins Wallis (Schweiz), allerdings war die Wettervorhersage für die Westalpen so miserabel, dass nur noch die Ostalpen übrig blieben. Aber was heißt „nur noch“? Ich machte mich auf den Weg nach Österreich, zum Dachsteingebirge.

Was ich nicht wusste war, dass die Region Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Und ich weiß jetzt auch warum 🙂

UNESCO-Komitee: „Bei der alpinen Region Hallstatt/Dachstein-Salzkammergut handelt es sich um ein außergewöhnliches Beispiel einer Naturlandschaft von einzigartiger Schönheit und besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, die auch Zeugnis von der frühen und kontinuierlichen menschlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeit ablegt.“

Soviel dazu 🙂 Auf meiner 4-tägigen Wandertour habe ich 3 Bundesländer durchschritten: Oberösterreich, Steiermark und Salzburg. Gestartet bin ich in Obertraun, am Hallstätter See.

Auf der Hinfahrt musste ich einfach am See anhalten und diese wunderbare Idylle festhalten. Zum Zoomen klickt einfach 1-2 mal aufs Bild.

In Obertraun haben mich zwei sehr nette Mitarbeiter der Touri-Info in Empfang genommen und mir meine Fragen beantwortet. Auch eine Wanderkarte mit den wichtigsten Wanderrouten bekam ich hier ausgehändigt.

Mit der Dachstein-Krippenstein-Seilbahn ging es dann hoch auf die Gjaidalm. Auf ging es über den Wanderweg 616 in Richtung Guttenberghaus. Der Mitarbeiter der Seilbahn meinte dann, in 5 Stunden wäre ich dort – also gut…

Auf dem Weg gab es sogar noch hin und wieder ein paar Blümchen zu sehen. Allerdings musste man diese regelrecht suchen – wie diesen hier, der schöne gelb-grün leuchtende Alpen-Mauerpfeffer (Fetthenne).

Auf einmal war das Dachsteingebirge in Sicht – was für ein Anblick! Dieser begleitete mich den ganzen Weg entlang zum Guttenberghaus – herrlich! Und immer schön die rot-weiß-roten Wandermarkierungen im Blick behalten – auf diesem Weg nicht wirklich schwierig.

Kann mir jemand verraten, wie diese schönen Blümchen hier heißen?

Herrliche Wanderwelt…

Im folgenden Bild ist rechts der Dachstein und links der Gjaidstein zu sehen (zumindest sind das meine Annahmen – bitte korrigieren, falls diese falsch sein sollten 😉  ). In der Mitte der Hunerkogel mit Seilbahnstation.

Schönes Panorama mit Karstgelände und Wolkenspiel.

Auf der Feisterer Scharte konnte man dann schon zum Guttenberghaus und Ramsau hinabblicken.

Von der Feisterer Scharte gibt es noch zahlreiche weitere Wanderrouten.

Nach knappen 4 Stunden kam ich dann am Guttenberghaus an. Das verdiente Abendessen mit leckerem Fleischkäse, Spiegelei und Bratkartoffeln hat richtig, richtig gut geschmeckt. Und nette Mitwanderer saßen auch am Tisch – die Besprechung der Wandertouren des nächsten Tages war in vollem Gange 😉 Und Julia in ihrem Element…

Da ich letzte Nacht nicht wirklich viel geschlafen habe und die Anfahrt sehr anstrengend war, ging ich auch schon um 21 Uhr ins Bett. Am nächsten Morgen dann früh raus und Morgenluft schnuppern…

Ein Bänkchen in den Bergen und gute Aussicht – manchmal bedarf es nicht mehr 🙂

So, dann schnell gefrühstückt, Rucksack nach unten geschleppt, Wanderschuhe geschnappt… Doch was ist das?!? Ach herrje – die Sohle meines einen Schuhs löst sich!!! Oh nein, ich wollte doch zum Gjaidstein hoch 😦 Nun denn – der gute Hüttenwirt des Guttenberghauses gab mir noch Klebeband, um zumindest bis zum Tal sicherzustellen, dass die Sohle am Schuh haften bleibt. Mir blieb nichts anderes übrig – ab ins Tal… Etwas traurig und mürrisch war mir schon zumute, denn heute sollte doch der schönste und sonnigste meiner 4 Wandertage werden. Allerdings versüßten mir ein paar nette Tierchen den Abstieg nach Kulm (Ramsau).

Eine grasende Schafherde…

Nicht wundern – aber ein Hoppelhäschen saß auch auf einmal da – kurz vor dem Eingang zur Lärchbodenalm… Wie süüüß!

Und ein wohl hungriges, kleines, schwarz-weißes Pony… Das stand tatsächlich genau so mit dem Kopf aufliegend auf einem Holztisch – und ließ sich dann auch streicheln – hmmm…

Im Tal angekommen ließ ich meine alten, ausgedienten aber sonst sehr zuverlässigen und bequemen Wanderschuhe schweren Herzens im Sportladen in Kulm.

Und tauschte diese gegen neue Wanderschuhe aus. Mir war schon klar, dass es ein gewisses Risiko zur Blasenbildung gab – normalerweise laufe ich neue Wanderschuhe immer gerne vorher ein! Nun ja – 2 Blasen hatte ich dann doch. So isch.

In Kulm habe ich dann wunderbar zu Mittag gegessen beim Kulmwirt. Eine herrliche Sonnenterrasse lädt dort zum Verweilen ein – zumindest bis mein Bus kam in Richtung Dachstein-Gletscherbahn. Von der Gletscherbahn aus wollte ich die Austriascharte hochwandern zum Hunerkogel.

Allerdings musste ich an der Austriascharte aufgrund fehlender Markierungen (bzw. fehlender Geländekenntnis) und zu gefährlichem Gelände abbrechen. Also – ganzer Weg wieder zurück zur Gletscherbahn und ab in Richtung Dachstein-Südwand-Hütte.

Der Herbst hat in den Bergen sein ganz eigenes Licht…


Hier der Sonnenuntergang von der Dachstein-Südwand-Hütte…

Zum Abendessen gab es Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat 🙂

Am nächsten Morgen hatte ich meine längste Wandertour vor mir – deshalb ging es auch schon früh los… Mein Ziel war die Simonyhütte, über Windlegerscharte und Adamekhütte. Unter normalen Bedingungen hätte ich diese Route locker geschafft – dass ich allerdings dann doch so lange gebraucht habe, lag am Alpenföhn, den ich tatsächlich unterschätzt hatte. Hier mein Appell: Liebe Wanderer – unterschätzt den Wetterbericht nicht, wenn von Föhn gesprochen wird. Dieser kann unter Umständen richtig gefährlich werden. Insbesondere an steilen Stellen kann ganz unverhofft ein Steinschlag sein oder man wird wie eine Feder von einer Windböe erfasst. Ich schreibe das deshalb so ausdrücklich hin, da mir selbst der Alpenföhn so nicht bewusst war.

Durch das Tor ging es hindurch in Richtung Windlegerscharte…

Wie schön – endlich mal wieder ein paar Blümelein am Wegesrand…

Der Blick kurz bevor man die Windlegerscharte erreicht.

Dieses Herzchen begrüßt einen ganz oben – die Windlegerscharte, ein schönes Plätzchen, wenn nur der Föhn nicht gewesen wäre.
  

Genau so sehen Wolken im Föhn aus…

Hier sieht man den großen Gosaugletscher, kurz vor der Adamekhütte.

Solche Kletterpassagen gab es auf dieser Tour nicht wenige. Dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man diese Wanderung antritt.

Auf der Adamekhütte musste ich etwas Ordentliches essen, damit ich gestärkt weitergehen konnte. Nudelsuppe mit 2 Würstchen…

…und ein leckerer Mohnkuchen mit heißer Schokolade wärmten mich wieder auf und gaben Kraft für den weiteren Weg.

Kurz unterhalb der Adamekhütte kreuzten auf einmal zwei Steinböcke meinen Weg – wie schön!

Und neugierig sind sie – unglaublich!

Kann mir jemand helfen? Wie heißt diese schöne, aber unscheinbare Pflanze? Wunderschön!

Abends bin ich dann fix und foxi an der Simonyhütte angekommen. Lieber Christoph Mitterer & Team, danke für alles 🙂

Am nächsten Morgen sah ich aus dem Fenster und konnte ein unbeschreibliches Wolkenspiel betrachten. Herrlich!

Ohne Worte…

Ich hatte anscheinend gerade den richtigen Augenblick für diese Fotos erwischt, denn 20 Minuten später hatte sich das untere Wolkenfeld schon fast wieder aufgelöst.

Die Simonyhütte liegt am Hallstätter Gletscher. Sie ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Gletschertouren und ist Ausbildungsstätte des österreichischen Alpenvereins. Die Hütte wurde nach Friedrich Simony benannt.


Mit einem reichhaltigen und sehr leckeren Frühstücksbuffet startete ich in den Tag und der Abstieg in Richtung Gjaidalm konnte beginnen.

Herbstspiel in den Alpen…

Das einzige Alpen-Vergissmeinnicht auf dieser Wandertour. Tschüss, bis zum nächsten Jahr! 🙂

Beim Abstieg hat es ab und an mal genieselt – Sonne ist mir natürlich lieber, aber auch dieses Wetter hat seinen ganz eigenen Charme.

Leider erst ganz zum Schluss habe ich kapiert, wieso ab und an auf diesem Wanderweg quadratische, silbrige Täfelchen verteilt waren. Der Nature Trail Dachstein – Infotäfelchen zum aktuellen Standpunkt. Vielleicht war es gerade gut so, dass ich nicht schon vorher drauf gekommen bin – sonst hätte mein Abstieg wohl noch mindestens eine Stunde länger gedauert 😉

Die letzte Mahlzeit auf dem Berg – leckere Käsespätzle mit Salat – das Dressing war der Renner!!! Danke sehr Gjaidalm!

Meiner Pflaume hat es auch sehr gefallen. Sie muss sich jetzt wieder gedulden bis zur nächsten Wandertour – denn die findet erst wieder im nächsten Jahr statt. Schön wars!