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Ein positiver Gedankenblitz für zwischendurch…

Gerade ist mir mal wieder aufgefallen, dass in den Medien das Thema Hochsensibilität zwar thematisiert und so auch breiter aufgestellt wird – nur bin ich mit dem „Wie“ nicht immer einverstanden.

Ich finde es so unglaublich schade und schubladisierend, wenn oft nur von den Nachteilen der Hochsensiblen die Rede ist. Und vor allem: was ist mit den Normalsensiblen? Die Evolution hat sich darauf ausgerichtet, sowohl Hoch- als auch Normal- oder auch sogar Niedersensiblen ihren Platz zu geben. Und diesen sollten wir nutzen. In jedem steckt ein Potential – da fände ich es hilfreicher, den Fokus auf genau dieses zu legen und die ein oder andere Fraktion nicht immer in die Jammer- oder was auch immer für eine -schublade zu stecken.

Ich überlege gerade, demnächst verstärkt über die guten Seiten der Hochsensibilität zu berichten – was selbst mich vor eine Herausforderung stellt 😉 . Vielleicht sogar auch über das Zusammenspiel von Normal- als auch Hochsensiblen, die gemeinsam in einer Gruppe agieren. Denn genau da liegt meines Erachtens der Schlüssel zum Erfolg für die Gesellschaft. Respekt vor der Wahrnehmung anderer – auch wenn sie nicht mit meiner eigenen Wahrnehmung einhergeht. Nur eben bezogen auf das Thema Sensibilität – welche in unserer Leistungsgesellschaft im Moment nicht gerade in der Blüte steht.

Auch in meinem Gesprächskreis für Hochsensible ist genau das ein Thema – beim letzten Mal haben wir tatsächlich versucht, über die guten Seiten und gute Erfahrungen zu reden. Das war eine ganz wundervolle Erfahrung, da jeder ein Lächeln im Gesicht hatte und der Raum eine ganz besondere Wärme ausstrahlte.

Wir sollten mehr darüber reden, was uns Kraft gibt und nicht ganz so viel, was uns die Kraft raubt. Immer schön an beiden Seiten arbeiten…

Denn was bringt es mir, mich zwar vor Reizen zu schützen, aber nicht das zu machen, was ein Leben lebenswert macht?

Lasst uns doch lieber mal unsere Energietöpfe füllen – wer macht mit? 🙂

Alles Liebe und gute Gedanken wünscht Euch
Julia

Hochsensible Judith schreibt – ohne es zu wissen – über mich :-)

Hallo zusammen,

gerade bin ich auf einen Blogbeitrag gestoßen, in dem ich mich zu 98% wiederfinde – und so treffend, wunderbar und liebevoll formuliert.
In diesem Artikel schreibt die extrovertierte Judith über ihr Denken und Dasein als Hochsensible. Ich kann euch diesen Text nur wärmstens ans Herz legen – denn er geht ans Herz – direkt und ohne Umwege.

Hier drei schöne Zitate vorab:

„Jeder Mensch, dem ich in meinem Leben begegne, hinterlässt damit einen Fingerabdruck auf meiner Seele.“

„Deadlines sind damit meine Lifeline.“

„Einander zuwenden, nicht abwenden: das ist für mich das Wesen der Liebe.“

Danke Judith, dass du dich und auch mich so unglaublich treffend beschrieben hast. Eine Wucht 🙂

Liebe und dankbare Grüße,
Julia

Und die 2. Filmdoku über Hochsensibilität kommt doch :-)

Hallo zusammen,

gute Neuigkeiten: Elaine Aron und die Produzenten haben sich darauf geeinigt, die Filmdokumentation „Sensitive and in Love“ doch zu drehen – obwohl die Finanzierung über Kickstarter fehlgeschlagen ist und das Budget voraussichtlich geringer ausfallen wird als erwartet.

Wer sich also an diesem Filmprojekt beteiligen möchte, darf dies gerne ab jetzt tun.

–> weitere Informationen

–> Trailer zur Doku

Viele liebe Grüße,

Julia

PS.: Hier gibt es Informationen zum ersten und bereits veröffentlichten Film „Sensitive – The Untold Story“.

Mit der Machete im Annahmen-Sumpf: Ein Survival-Guide für Hochsensible

So – ich hab die Schnauze voll! Dieser Annahmen-Sumpf treibt mich noch in den Wahnsinn!!!

Das tapfere Nasenfräulein auf dem Beitragsbild stammt übrigens aus der Feder von Sabine Dinkel. Einen ganz lieben Dank an Dich!!!
Sabine hat nicht nur ein Talent fürs Zeichnen, sondern auch ein Talent, um Hochsensiblen wirksame Alltags-Tipps an die Hand zu geben, und das auf ganz liebe- und humorvolle Art und Weise. Sehr zu empfehlen!

Aber weiter im Text… Hier nun ein klitzekleiner Auszug aus meinem aktuellen Annahmen-Sumpf:

Annahme 1: Wenn ich noch länger mit meinem nächsten Blogbeitrag warte, dann will gar keiner mehr meine Beiträge lesen bzw. meinem Blog folgen. So nach dem Motto: „Die macht ja gar nix mehr. Pfui.“

Annahme 2: Wenn ich mir jetzt selbst Druck mache und heute unbedingt den Beitrag schreiben möchte, den ich schon seit Ewigkeiten im Kopf habe, dann fehlt mir die Kreativität und die Muße, die ich eigentlich bräuchte, damit es ein richtig guter Beitrag wird. <Ironie> Hallo Perfektion – schön, dass du auch mal wieder da bist. </Ironie>

Annahme 3: Wenn ich heute keinen Beitrag zustande bekomme, dann wird das nie was. <Ironie> Oh schön, die Pauschalisierung ist auch wieder mit im Boot – Guten Tag!“</Ironie>

Annahme 4: Ich habe schon so viele Kommentare und Ideen zu diesem Annahmen-Beitrag auf kleine Zettelchen geschrieben, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, diese Gedanken strukturiert und nachvollziehbar aufzuschreiben. Das wird ein chaotischer Beitrag werden. Böh.

Kennt ihr das? Bei mir rattern am Tag die Annahmen auf Hochtouren nur so durch den Kopf. Immer und zu jeder Situation sind sie präsent – ob bewusst oder unbewusst. Manchmal hindern mich Annahmen auch daran, Dinge aktiv anzugehen. Schade eigentlich.

Seitdem mir bewusst ist, wie sehr mich dieser Annahmensumpf lähmt, blockiert und mich energielos hinterlässt, war mir klar, dass ich diesem Themenkomplex einen Beitrag spendieren muss.

Zuvor sei gesagt: Annahmen haben natürlich auch etwas Gutes. Sie erlauben mir, mich auf Situationen in der Zukunft vorzubereiten und so auf viele Eventualitäten reagieren zu können. „Geistig probehandeln“ nennt dies Petra Tomschi (HS-Coach). Man ist dann auch gedanklich in der eintretenden Situation flexibel, wenn man einen Plan B, Plan C oder was auch immer noch im Hinterkopf hat. Und es wirft einen auch nicht mehr so viel aus der Bahn. Wenn man in Gedanken den Ausgang einer Situation durchspielt, dann ist der Adrenalinausstoß in der eigentlichen Situation nicht mehr so hoch. Hochsensible mögen es nicht immer, überrascht zu werden.

Trifft man allerdings im Vorfeld zu viele Annahmen (wozu viele Hochsensible tendieren), dann kann es sein, dass man in der eintretenden Situation nicht mehr locker agieren kann, da der Kopf zu überfrachtet ist mit herumwuselnden Annahmen und so bei Überraschungen (angenehmer als auch unangenehmer Natur) nicht mehr natürlich reagiert. So, wie man eigentlich reagieren würde, hätte man nicht diese vielen Gedanken im Kopf. Im schlimmsten Fall kommt es dann tatsächlich zur selbsterfüllenden (Annahmen-) Prophezeihung.

Ein solcher Annahmen-Sumpf kann einen sehr schnell in die Überstimulation führen. Ein Domino-Effekt. Eine Annahme folgt auf die andere. Man fühlt sich allein durch seine eigenen Gedanken überwältigt. Na prima. Man ist für spontane Situationen nicht mehr offen und kann nicht mehr intuitiv reagieren.

Wenn man sich überwältigt fühlt, dann rutscht man von pro-aktivem zu re-aktivem Verhalten. Man nimmt sein Umfeld nur noch wahr und reagiert nur noch darauf. Man fällt sozusagen von einer aktiven in eine passive Rolle. Von Selbstbestimmtheit und -gestaltung keine Spur. Man schränkt sich selbst ein und verliert Intuition und seinen Gestaltungsspielraum.

Jetzt kommt die Machete ins Spiel. Jeder Hochsensible im Annahmen-Sumpf hat eine Machete in der Hand. Die Frage ist nur, ob man sie zu nutzen weiß.

Des Rätsels Lösung: von re-aktiv wieder zurück zu pro-aktiv. Schwingt die Machete und kämpft euch ans Ufer – dort seid ihr wieder handlungsfähig, habt besseren Zugang zu eurer Kreativität und Intuition und könnt wieder beschwingter durchs Leben gehen. Haha, so einfach ist es leider nicht – schön wärs, deshalb hier ein Versuch, wie man sich selbst am Schopfe packt und sich aus dem Sumpf befreit. Wichtig: Das Ganze stellt einen Veränderungsprozess dar und braucht Zeit. Es sind also Übung und Geduld gefragt.

Schritt 1: Anker setzen.

Es gibt Situationen, in denen ich schon so gelähmt, regungslos und voller Überstimulation bin, dass ich gar nicht mehr merke, im Annahmen-Sumpf gelandet zu sein. Eine ganz blöde Situation, denn ich komme gerade selbst nicht dazu, den Anker zu werfen. Mir der Situation bewusst zu werden. Eigentlich fatal. Es sollte sich jeder eines Tricks bewusst sein, sich selbst an diesen Umstand zu erinnern. Man kann natürlich einen nahen Menschen einweihen, der einen ab und an danach fragt, ob man wieder im Sumpf gelandet ist – aber den hat man ja nicht ständig um einen herum. Besser wäre es doch, man hätte einen Anker, der einen daran erinnert, ob man nicht unbewusst wieder den Annahmen-Sumpf durchwatet. Bei mir müssten diese Anker auch etwas flexibler sein – denn ein Anker über eine Woche am gleichen Ort wird bei mir zu einem unsichtbaren Anker.

Ich werde mir deshalb das Wort „Sumpf“ oder „Machete“ oder was auch immer auf einen PostIt-Zettel schreiben und diesen irgendwohin hängen, wo nur ich ihn regelmäßig zu Gesicht bekomme. Sei es mein Geldbeutel, mein Nachttisch, mein Smartphone, meine Gesichtscreme, … Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt 😉

Wenn ich merke, dass dieser Zettel meinen Kopf nicht mehr zum Reflektieren anregt, dann muss ein neuer Begriff her oder der Zettel muss an einen anderen Platz gehängt werden. Julia – du führst dich gerade selbst hinters Licht – das gefällt mir sehr gut, hihi 🙂

Perfekt – der Anker ist also gesetzt. Weiter geht’s.

Schritt 2: Die Machete nach oben schwingen.

Einige Hochsensible weisen eine Trägheit in der Tempoanpassung auf. Was bedeutet das? Ist man schon länger im Sumpf unterwegs und in einem lähmenden und langsamen Tempo, dann muss man erstmal wieder auf ein höher getaktetes Tempo kommen. Das geht auch von der anderen Seite: Hat man einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich, mit vielen Meetings, Menschen und Gesprächen, hat viel organisiert, dann ist man auf einer schnellen Ebene unterwegs. Zuhause angekommen ist es für mich dann nicht möglich, mich sofort auf die Couch zu setzen und abzuschalten. Ich muss mein Tempo dann erstmal langsam herunterfahren – eine Art Decrescendo bzw. Ritardando machen – damit sich mein Körper und meine Seele wieder zu ihrem ureigenen Tempo zurückfinden. Denn nichts leichter für Hochsensible, als sich dem Tempo ihres Umfelds anzupassen 😉 Die Anpassung ist zwar bequem, aber auf Dauer nicht gesund.

So – ich komme jetzt zurück zur Machete. Die habe ich ja noch in der Hand und die hängt immer noch nach unten, nicht einsatzbereit. Es kostet mich jetzt etwas Überwindung und Energie, um den Impuls zu setzen, um sie nach oben zu schwingen. Ist die Machete erstmal in Bewegung, dann ist der Rest nicht mehr so schwer, wie man ihn sich vorgestellt hat.

Wie komme ich nun im Sumpf in Bewegung? Indem ich meine re-aktive Position in eine pro-aktive Position bringe. Aber nicht auf einen Ruck sofort etwas Weltbewegendes machen wollen, sondern in kleinen Schritten vorgehen. Auch darf das Tempo langsamer sein als sonst – ganz wichtig: erlaubt euch in dieser Phase euer eigenes Tempo und erlaubt euch, geduldig zu sein. Seid ganz in diesem Moment.

Nach dem Motto: „Der Weg entsteht im Gehen.“ (Antonio Machado)

In dieser Phase konzentriere ich mich z.B. auf eine ganz einfache Sache im Haushalt (die mit meinen eigentlichen Gedanken und Annahmen nicht unbedingt zu tun hat), z.B. die Tasse auf dem Wohnzimmertisch in den Geschirrspüler räumen, oder ein Sudoku lösen, oder meine Klopftechnik anwenden (EFT), oder einen Spaziergang machen, oder… Hier muss auch jeder für sich selbst herausfinden, ob diese Initialtätigkeit etwas Körperliches oder Mentales sein darf. Bei mir funktioniert beides 🙂

Schritt 3: Sich der Annahmen bewusst werden (sich bewusst werden, dass einen gerade zu vieles lähmt)

Das Gute in dieser Phase ist, dass man bereits die ersten beiden Phasen hinter sich hat – denn diese sind – zumindest für mich – gefühlt die anstrengendsten. Wenn man mal in Bewegung gekommen ist und allmählich zu seinem Eigentempo gelangt, dann ist das Bewusstwerden eigener Annahmen nicht mehr all zu schwer.

Hat man in dieser Phase Schwierigkeiten, sich im Kopf der Annahmen bewusst zu werden, dann kann man z.B. mit jemand Vertrautem über diese reden bzw. sich die Annahmen auf ein Blatt Papier schreiben. Für mich selbst ist es wichtig, ab und an per Hand etwas zu schreiben, dann ist mein Fokus besser bei der Sache als wenn ich nur tippseln würde.

Schritt 4: Annahmen validieren und versumpfen lassen (haha, da muss ich selbst lachen; Annahmen auflösen ist natürlich gemeint)

Nun schwingt eure Machete und kämpft euch durch den Sumpf! Eine Annahme nach der anderen klopfe ich nun auf ihren Wahrheitsgehalt ab und frage, ob dies tatsächlich so stimmt oder ob es mir überhaupt etwas bringt, diese Annahme beizubehalten. Denn manchmal haben Annahmen in der Tat ihre Daseinsberechtigung.

Es kann auch durchaus sein, dass ich beim Überprüfen meiner Annahmen mich aus meinem Schneckenhaus bequemen muss und auf andere Menschen zugehen muss, um mich abzusichern bzw. um klärende Fragen zu stellen. Aber das gehört zum Prozess dazu und hinterher ist man erleichtert.

Denn wie gesagt – die Tempoträgheit spielt hier eine große Rolle. Habe ich schon lange keinen Kontakt mehr zu meinem sozialen Umfeld gehabt und mich schon etwas isoliert, fällt es mir initial umso schwieriger, wieder einen Anfang zu machen. Aber das ist ganz normal. Hat man den Anschluss wieder gefunden bzw. hat man sein eigenes Tempo wieder gefunden, erledigen sich viele Sachen wieder wie von selbst.

Hier zwei Beispiele, wie man Annahmen abklopfen und sogar in positive Energie umwandeln kann.

Annahme 1: Ein guter Blogbeitrag kann nur dann entstehen, wenn ich selbst gut drauf bin und ich alle möglichen Details zum Thema gesammelt bzw. aufgeführt habe.
Reality-Check: Ist das wirklich so? Hm, eigentlich nicht, denn viele meiner Blogbeiträge sind erst dann entstanden, nachdem ich eine gewisse Not durchlitten hatte.
Hürde/Risiko: Ich vergesse wichtige Details.
Chance: anderen und mir selbst zu helfen, in ihrer/meiner Weiterentwicklung voranzukommen

Annahme 2: Ein komplexer Blogbeitrag kann nur dann angefangen bzw. zu Ende gebracht werden, wenn man im Vorhinein sämtliche Verschachtelungen und Verwirrungen durchdacht hat.
Reality-Check: Hm – man kann auch einfach mal loslegen und schauen, was einen erwartet und was sich ergibt.
Hürde: Die Mauer des Beginnens zu durchbrechen und evtl. tatsächlich in eine Sackgasse laufen.
Chance: Es können einem beim Schreiben noch neue Ideen (oder selbstgemalte Bilder 😉 ) kommen und am Ende hat man womöglich einen schönen, gelungenen und runden Blogbeitrag.

Fazit: Die wahre Kunst ist es, zu erkennen, dass man sich im Annahmen-Sumpf befindet und sein eigenes Tempo und seine eigene Weise des Seins wiederherstellt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende und wirksame Schwünge mit eurer Machete.

Chacka!

PS.: Wie sich unaufgelöste Annahmen verstricken und zu einem impulsiven Verhalten weiterentwickeln können (wenn man seine Annahmen unreflektiert annimmt) hat auch Kommunikationsforscher Paul Watzlawick mit der Geschichte vom Hammer auf den Punkt „geklopft“. Findet die Annahmen in der Geschichte 😉

Nun sag – wie hast du’s mit der Hochsensibilität?

Wahrlich – mit Goethe will ich mich nicht messen – allerdings wird beim Thema Hochsensibilität oftmals um des Pudels Kern herumgeredet… Es wird zwar überall Wissen verbreitet, aber akzeptiert ist das Thema leider noch lange nicht. Nicht alleine deshalb, da das Thema Hochsensibilität nicht fassbar, nicht greifbar ist – sondern reine Kopfsache.

Wie hältst du’s mit der Hochsensibilität?

Oder auf der Meta-Ebene gefragt: Wie hältst du’s mit der Andersartigkeit?

Fragen an unsere Gesellschaft, die jeden von uns tangieren. Jeder lebt in seiner Welt, mit seinen eigenen Wahrnehmungen, Gedanken, Mustern, Schubladen, Erfahrungen. Jeder hat ein subjektives Empfinden darüber, wie er seine Umwelt und sein Innerstes aufnimmt. Und nicht zuletzt: Jeder hat seine ganz individuellen Bedürfnisse.

Manche denken, dass alle so denken und handeln müssten wie sie selbst. Manche denken, dass alle so empfinden, wie sie selbst. Manche gehen davon aus, dass man in Situation A so und so reagieren müsste.

Dabei gibt es eine gewisse Bandbreite von Werten und Bedürfnissen, die in der Gesellschaft akzeptiert sind. Alles andere was darüber hinaus geht, erscheint fremd, anders, ungewohnt – wenn nicht gar: falsch. So wie Anatole mit seinem Topf

Wenn ein Hochsensibler – glücklicherweise – in dem Stadium angekommen ist, wo er seine eigenen Bedürfnisse erkennt und umzusetzen versucht, kann es sein, dass er in seinem Umfeld auf Unverständnis stößt. Auf der einen Seite ist das dem Umfeld nicht übel zu nehmen, dass es zuerst so reagiert – denn bis jetzt hat der angepasste Hochsensible ja immer in der akzeptierten Bandbreite der Gesellschaft agiert. Außerdem kann das erhöhte Ruhebedürfnis, das Gestalten eines reizarmen Umfelds bei Regeneration und das Einschränken von Kommunikationskanälen zu Missinterpretationen führen. Was ist mit dem los? Der war doch früher sonst nicht so! Wieso stellt der sich auf einmal so an? Unerhört! Das geht so nicht! Wir müssen dem jetzt sagen, dass das so nicht tut! Entweder er funktioniert wie wir das haben wollen, oder es geht bergab…

In einer Leistungsgesellschaft wie unserer ist das Thema Hochsensibilität nicht einfach zu kommunizieren. Das merkt man schon alleine daran, dass sich viele Hochsensible in diversen Internet-Foren, Blogs oder auch in Büchern sehr viele Gedanken dazu machen, wie und wem sie ihre Hochsensibilität erklären sollen. Man möchte verstanden werden, so – wie man sich jetzt auch selbst versteht. Normalsensible wollen allerdings auf der anderen Seite manchmal auch nur helfen – dies kann auf der anderen Seite von Hochsensiblen wiederum fehlinterpretiert werden auf die Art, hey, der überfährt mich jetzt und ich fühle mich unverstanden und blocke ab.

Ein aufeinander Zukommen wäre angebracht, gegenseitiges Zuhören, Verstehen und Akzeptanz anstatt dem Überstülpen eigener Vorstellungen und Erwartungen. Was bringt es uns, Menschen eine Rolle vorzudenken, welche sie selbst nicht sind – wäre es nicht besser, die Talente von Menschen zu sehen?

Versucht die ein oder jeweils andere Seite sein Gegenüber zu verstehen? Glaubt der Gegenüber einem, wenn man ein eigenes Bedürfnis formuliert? Oder möchte das Gegenüber einem seine Erwartungen überstülpen, wie man denn zu sein hat? Egal ob jetzt hochsensibel oder normalsensibel…

Viele Hochsensible – insbesondere in einer Leistungsgesellschaft – befinden sich auf einer Gratwanderung: Meine eigenen Bedürfnisse erfüllen und gleichzeitig in einer Gesellschaft leben, die erwartet, dass alle die gleiche Leistung bringen müssen. (Achtung: diese Formulierung ist auf die Spitze getrieben, es gibt natürlich Randbereiche in unserer Gesellschaft, in denen das nicht so ist und individuell gefördert wird)

Folge: Psychosomatische Beschwerden erhöhen sich noch immer und halten lange an – jeder wundert sich, wieso, aber keiner findet eine Erklärung dafür. Ich würde mir wirklich wünschen, wenn Ärzte und Fachexperten bei Burnout- und Depressionserkrankten in Betracht ziehen würden, dass diese auch hochsensibel sein könnten. Allein diese Information kann für hochsensible Patienten unglaublich wichtig sein, um besser an sich arbeiten zu können und nicht gleich wieder in die nächste depressive Phase zu rutschen.
Das Übersehen der Hochsensibilität beim Patienten kann z.B. zur Folge haben, dass Therapiemethoden oder auch Entspannungstipps, die für Normalsensible gemacht sind, bei Hochsensiblen nur sehr schwer oder gar nicht greifen.
Am einfachsten ist es natürlich, alles auf den Stress zu schieben. Mach doch Yoga, entspann dich doch endlich mal, mach autogenes Training! Na danke! Die Ursache des Problems wird hier nicht erkannt. Versuche ich dann nach dieser Entspannungs-Auszeit wieder wie zuvor zu leben und den gleichen Ansprüchen wie zuvor zu genügen, ist die nächste Down-Phase doch vorprogrammiert – ein Teufelskreis! Diesen zu verlassen erfordert Selbstannahme, Selbstbewusstsein, Selbstliebe, das Erkennen eigener Bedürfnisse, ein wohlgesonnenes Umfeld, Integration der Hochsensibilität in den Alltag, Rücksicht auf mich selbst und andere – und sehr viel Mut.

Auf geht’s… Lasst uns gemeinsam mutig ins Jahr 2016 starten!

Alles Liebe & Gute Euch,
Julia

PS.: Piep!

DVD „Sensitive – The Untold Story“…

…erhältlich ab 15.12.2015 mit deutschem Untertitel.

Schönes Design    🙂

Vorbestellung möglich auf der Film-Homepage.

Mehr Informationen über den Inhalt des Films auf Andy’s Podcast.

Meine Fellnasen haben ihn bereits gesehen.

Und hier findet ihr noch allgemeine Informationen, wie z.B. kurze Ausschnitte, Interviews, etc. Und falls manche nicht genug davon bekommen sollten, hier noch weitere Infos und Kurzfilme.

Liebe Grüße und euch allen noch einen schönen November,
Julia

Reizüberflutung: Hochsensible Kinder haben es im Alltag schwer

Ein knapp 4-minütiger Bericht über hochsensible Kinder auf Sat.1 Regional (Niedersachsen und Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein). (abgerufen am 15. Oktober 2015)

Nicht nur für Familien mit hochsensiblen Kindern interessant, auch Erwachsene (Hoch- als auch Normalsensible) profitieren von diesem Bericht. Ich persönlich finde ihn für kurze 4 Minuten sehr gelungen.

Leider finde ich es schade, dass Hochsensible als „Betroffene“ dargestellt werden. Die Fachexpertin hingegen spricht auch schön von Normalsensiblen, sehr gut. Was auch sehr gut erklärt wird ist die Abgrenzung der Eigenschaften von Hochsensibilität zu ADS oder ADHS.

Liebe Grüße, Julia

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  • Andrea Münsterberg, Fachexpertin
  • Normalsensible können in einzelnen Bereichen auch tief fühlen, aber sie haben eine freie Entscheidungsfähigkeit, wie sehr sie eintauchen wollen und wofür sie sich öffnen
  • AD(H)S-Kinder haben immer diese Symptome, auch im absoluten Ruhezustand (frei von Reizen und Druck). Wenn diese Symptome im Ruhezustand nicht da sind, ist es kein AD(H)S, in diesem Fall macht es Sinn, das Thema Hochsensibilität ins Auge zu fassen.