Schlagwort-Archive: Nebel

Zäh

Gedanken sind verklebt.
Schwere über Kreativität sich legt.
In dunkle Wolken das Umfeld sich hüllt.

Füße schwer wie Blei.
Wünschen sich Erleichterung herbei.
Überflutet mit Reizen die Sinne.

Zähe Gedanken, doch Trost in Sicht.
Überstimulation hält lange nicht.

Mit Selbstliebe und Zuversicht
Spiegelt sich NEBEL zu LEBEN zurück.

Nur Geduld.

© by me

Mit Kloß im Hals und Scheuklappen auf!

Überstimuliert

Renne ich

Mit Kloß im Hals

Und Scheuklappen auf

Durch die Gegend.

Ständig fragend:

„Was fehlt mir gerade?“

Ein langsameres Tempo?

Weniger Reize?

Zeit für mich?

Mich selbst mögen! Das tue ich – ganz gewiss!

Die Langsamkeit ist gerade mein bester Freund,

Damit ich mir selbst treu bleibe!

Die Scheuklappen verhindern den Blick aufs große Ganze.

Verloren im Detail.

Zerstreut.

Der Kopf ist voll – gefühlter Nebel.

Wann kann ich diesen Nebel endlich wieder rückwärts lesen?

Vertrau dir selbst und tanke heute Kraft in der Natur.

© by me

Aus dem Leben einer Hochsensiblen…..Weltschmerz

…oder: warum Hochsensible eine Art Weltschmerz fühlen und warum die Reizflucht vor der Reizflut in diesem Moment so unwahrscheinlich wichtig ist.

REIZFLU(CH)T

Richtig gelesen – dieses obige Wortspiel kam mir diese Woche in den Sinn. Man füge nur ein „CH“ in das von Hochsensiblen „heißgeliebte“ Wort Reizflut und schon befindet man sich auf der Flucht 🙂

Aber jetzt erstmal zu mir: Mir gehts heute gar nicht gut. Vorhin ging es mir sogar mal richtig scheiße – in einem Blog darf man das so schreiben, oder? 😉 Hochsensible sind meist sehr diplomatisch und vor allen Dingen auch sehr bedacht darauf, mit welchen Worten sie um sich werfen.

Heute Nacht hatte ich sehr gut und intensiv geschlafen und bin fit aufgewacht. Gut – 2 Termine am heutigen Tag – sind machbar. Langsam aufgestanden und den Tag begonnen. Beim Frühstück machen fiel mir schon auf, dass ich heute nicht die allerschnellste bin – in Gedanken als auch in meinen Taten. So Julia – jetzt erstmal eins nach dem anderen. Es macht sich das Gefühl breit, in den Seilen zu hängen, nicht vorwärts zu kommen, es macht sich eine Art Blockade breit.

Im Laufe des Tages begann ich immer mehr zu zweifeln. Zu zweifeln an mir selbst, an allen Leuten, die mir heute so begegneten – eigentlich waren das Zweifel an der ganzen Welt. Meine Schotten gingen alle auf – meine Reiz-Rezeptoren ließen alles rein was man nur so als Reize in sich aufnehmen kann.Man tendiert in diesem Moment sogar dazu, Reize, die auf einen einprasseln, überzubewerten – Annahmen zu treffen, die gar nicht stimmen. Man fühlt sich zu nichts zu gebrauchen. Es mag einfach nichts gelingen, was einem sonst mühelos von der Hand geht. Es machte sich auch schon wieder die negative Gedankenspirale bereit und hatte mir schon befohlen, auf ihr herunterzurutschen. Aber hey – stopp – mit dem Wissen, hochsensibel zu sein, nehme ich diese Gedankenspirale zwar wahr – aber ich muss sie nicht weiterspinnen. Hallo Gedankenspirale – schön, dass du da bist. Du darfst auch gerne hier bleiben. Aber hinunterrutschen muss ich dich nicht. Ich rutsche sehr gerne – immerhin bin ich High Sensation Seeker – aber mir noch mehr solche negativen Gedanken heute zu machen macht wenig Sinn. Ich weiß, dass das Ganze morgen wieder vorbei ist. Ja, das ist tatsächlich so. Und das ist auch gut so. Ich weiß mittlerweile, auf mich selbst aufzupassen und ich weiß, was in dem Moment gut für mich ist.

Was ich im letzten Absatz beschrieben habe, diesen Zustand dieser unglaublichen Reizoffenheit, noch offener als an normalen Tagen von Hochsensiblen, dieses in-sich-aufnehmen sämtlicher Stimmungen von Außen, diesen Zustand nennen Hochsensible auch:

WELTSCHMERZ

Ich konnte mir beim Lesen von Büchern und Literatur zur Hochsensibilität nicht wirklich etwas unter diesem Begriff vorstellen. Vielfach wird er auch einfach nur in die Liste der HS-Merkmale aufgenommen ohne weiter erklärt zu werden. Erst heute wurde mir bewusst, dass diejenigen Tage, an denen ich mich genau so wie oben beschrieben fühle, Phasen von Weltschmerz sind. Ich bekomme den Schmerz der Welt hautnah und ungefiltert – vielleicht sogar noch verstärkt und ganz ungehindert mit. Ich kann mich davor in keinster Weise abschirmen – zumindest nicht an diesem einen Tag, in dieser einen Phase.

Ist es die Phase vom Phönix, wo er zur Asche verbrennt? ist es etwa das Sortieren, Einordnen und Strukturieren der Gedanken eines Hochsensiblen, nachdem er einen Tag mit sehr viel Eindrücken und Erlebnissen hatte? Ich weiß noch immer nicht, wodurch diese Phase von Weltschmerz eingeläutet wird.

phoenix-1

(Quelle: http://i24.photobucket.com/albums/c25/-JuLiAn-/Phoenix-1.jpg)

Entschuldigt meine Gedankensprünge in diesem Beitrag hier, aber die Thematik ist nicht gerade einfach. Ich versuche mich selbst zu reflektieren und zu beschreiben, was gerade in mir vorgeht bzw. was heute in mir vorging. Neben mir liegt ein DinA4-Zettel, der mit Schlagwörtern und Gefühlen versehen ist, ich versuche ihn gerade in diesen Beitrag zu verwandeln.

Bei der Recherche zu diesem Thema habe ich natürlich auch das Wort „Weltschmerz“ bei Google gescannt und bin auf einen sehr interessanten Artikel von Juliane Just gestoßen: „Ich bin (k)ein Sensibelchen„. Darin wird unter anderem auch beschrieben, dass der Weltschmerz der Hochsensiblen nicht mit einer Depression verwechselt werden darf. Man fühlt sich traurig – vielleicht sogar auf die ein oder andere Weise auch niedergeschlagen – man fühlt sich verletzlicher und man hat das Gefühl, gerade an einem solchen Tag wie heute überhaupt nicht lachen zu wollen. Es ist einem einfach nicht danach. Und das ist nicht schlimm. Punkt. Wenn man in diesem Moment nicht möchte, dass andere diese Stimmung mitbekommen, dann kostet es hundertmal so viel Kraft ein Lächeln von sich zu geben… Was mir normalerweise lustigem und fröhlichen Menschen überhaupt nicht schwer fällt – ich lache so unendlich gerne, vor allem mit mir lieben Menschen. Aber an solchen Tagen ist mir einfach nur zum Heulen zumute. Schwermut macht sich breit. Man meint, es befinden sich tausende von Knoten im Gehirn, die im Moment keine Anstalten machen, sich aufzulösen. Eine gewisse Art von Müdigkeit macht sich ebenfalls breit – obwohl ich sehr gut geschlafen habe.

Tja, und dann muss ich an alle Hochsensiblen denken, die nicht wissen, dass sie hochsensibel sind und was Hochsensibilität überhaupt ist. Und da muss ich dann schon wieder „Stopp“ sagen und mir das Gedanken-Stoppschild vor die Nase halten. Ich kann nicht die Welt retten und jedem Hochsensiblen beibringen, wie er am besten mit sich selbst umgehen darf/soll. Schrecklich diese Gedanken, oder?

So – und warum bin ich der Meinung, dass man in genau einer solchen Phase des Weltschmerzes vor der Reizflut flüchten solle? Zumindest so gut es geht. Nun – dies stellt eine Art Selbstschutz dar. Würde man in dieser Phase alle Eindrücke nur in sich hereinprasseln, würden sie einen dreifach oder sogar zehnfach treffen als normalerweise. Man kommt in eine Art Analyserausch – und wenn der einmal eingesetzt hat, kommt man da nicht so schnell wieder weg… Dies ist auch der Grund, warum viele Hochsensible darüber berichten, dass es Tage in ihrem Leben gibt, wo sie ihre Wohnung nicht verlassen möchten, wo sie einfach nur im Bett oder auf der Couch liegen bleiben möchten um ihrem Kopf die Ruhe zu ermöglichen, die er gerade dringend benötigt. Einfach nur an die Wand zu starren ist auch recht beliebt, kein Witz! So können sich alle Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse neu einsortieren und Synapsen sich neu bilden. Falls man sich nicht zurückziehen kann erkennt man bei sich die Tendenz, den Leuten nicht mehr in die Augen schauen zu können – dies stellt erneut einen Reiz dar. Es kann auch gut sein, dass man grundlos anfängt zu weinen – oder anfängt zu weinen bei Dingen, die einem normalerweise überhaupt nichts ausmachen. An diesem Tag kann man auch einfach weinen, weil einem ein sehr wichtiger Mensch etwas Liebes geschrieben hat. Das alles mag sich jetzt für Normalsensible oder mit der Thematik nicht vertraute recht fremd anhören, aber mein Gefühl und Intuition sagt mir, dass es genau so sein muss. Ich weiß, wenn ich heute Abend einschlafe und morgen aufwache, dass es mir auf alle Fälle besser gehen wird und sich mein Kopf neu sortiert hat. Ein Gefühl der Frische macht sich breit, die Nebel sind verzogen. Wisst ihr, was mich hier brennend interessiert? Inwieweit sich das Phänomen dieser Reizoffenheit bzw. dieses Weltschmerzes mit einem Migräneanfall deckt bzw. wie es sich davon abgrenzt. Oder hat es gar miteinander zu tun? Ich weiß es nicht – ich habe zumindest noch nie einen Migräneanfall gehabt – auf der einen Seite meiner Verwandtschaft kursiert Migräne allerdings recht häufig. Eine meiner Omas hatte sehr oft Migräne. Nachtrag: Zusammenhang Hochsensibilität & Migräne     Hochsensibilitätsgen von der Migräne-Forschung gefunden?     Migräniker     Allgemeine Info Migräne

Was mir auch durch den Kopf geht bei solchen Phasen ist, dass ich noch so viel zu erledigen habe. Ich bin ja schon so weit, mich nicht zu verurteilen, wenn ich mal etwas nicht erledigt bekomme. In diesem Moment bin ich mir selbst am wichtigsten und muss mich erstmal wieder auf die Reihe bekommen. Thema: das Verschieben von Aufgaben. Was hat Prokrastination mit dem Erleben von Weltschmerz Hochsensibler zu tun?

Was hatte ich eigentlich vorhin gemacht, als es mir überhaupt nicht gut ging? Nun, ich habe mir zuallererst selbst verziehen und die Situation akzeptiert, so wie sie gerade ist. Dann habe ich versucht, meine Fühler nach außen auszustrecken um nicht in meinem eigenen, negativen Gedankenstrudel zu versauern. Danke an 3 meiner Freunde, die mir heute einfach nur zugehört oder mich gelesen haben und mir das Gefühl gegeben haben, dass ich gut bin, wie ich gerade bin. Ich denke, ihr wisst, dass ihr gemeint seid, wenn ihr das hier lest.

Insbesondere eine Person hat mich vor ein paar Minuten wieder an Anatole mit seinem kleinen Topf erinnert, in dem sie fragte: „Hey du, jetzt bist du unter deinen Topf gekrochen, oder? ;-)“ Hm, ja, das bin ich wohl… Danke für diesen Denkanstoß. In dieser Phase des Weltschmerzes machen meine Schotten dicht, ich gehe mit Scheuklappen durch die Welt und bin nach innen gekehrt. Normalerweise bin ich ein Mensch, den es sehr interessiert, wie es meinen Lieben um mich herum geht – allerdings nicht in solchen Momenten 😦 Noch etwas ganz wichtiges: Ich befinde mich gerade nicht in der Überstimulation! Das ist ein etwas anderes Gefühl – und die Abgrenzung von Weltschmerz Überstimulation könnte man in einem anderen Beitrag unter die Lupe nehmen.

Mit einem – wie ich finde – wunderbaren Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe möchte ich mich für heute verabschieden und wünsche euch einen guten Start in die neue Woche!

Liebe Grüße, Julia

https://spiritualrebels.wordpress.com/2015/08/06/522/

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Ueberfällt die fremde Fühlung
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsterniß Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt,

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Johann Wolfgang von Goethe, Interpretation

PS.: Der angehängte Link zur Gedichtsinterpretation lässt ja noch seeehr viel Spielraum offen. Vielleicht verstehen ja auch nur Hochsensible dieses Gedicht, wer weiß? 😉

PPS.: Wer das Gedicht „Im Nebel“ von Hermann Hesse kennt, könnte Parallelen zu Goethes Gedicht oben finden. Zumindest geht es mir so 🙂 Auch das Bild des Phönix passt da gerade ganz gut. Ihr merkt, meiner Stimmung gehts gerade wieder besser *freu*

PPPS.: Doch noch etwas zum Weltschmerz im Internet gefunden: Phasentänzerin     Wikipedia     Hochempfindsam     Types of Weltschmerz in German Poetry     MyMonk: Die große Melancholie     Weltschmerz     Deshalb gönne ich mir jeden Monat einen Weltschmerz-Tag     Melancholie: Die Vorfreude in der Traurigkeit