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Wie fühlt sich ein Hochsensibler im Biergarten?

Hier könnt ihr es nachlesen:

Wie fühlt sich ein Hochsensibler im Biergarten?

Ich finde diesen Bericht wunderbar detailliert beschrieben…
Auch hier wieder vor Generalisierung aufpassen: Nicht jeder Hochsensible muss sich genau so wie der beschriebene fühlen. Nicht alle Hochsensiblen fühlen und nehmen Reize ihrer Umgebung genau gleich wahr.

Auch die anderen Beiträge auf dieser Seite über Hochsensibilität finde ich ganz interessant:

HSP: Eine Hommage

HSP: Scheißegal – ich geh trotzdem raus!

Energievampire: Bis hierhin und nicht weiter!

Am schönsten ist natürlich die Biene ganz unten 😉

Liebe Grüße und euch einen schönen Tag,
Julia

Fokus-Pokus…

…oder: Was hat Hochsensibilität mit einem Knautschball zu tun?!?

Soooooo… Mit diesem langgezogenen Wort leite ich mich selbst in meinen Arbeitsmodus ein und konzentriere mich auf meine nächste Aufgabe. Vor 10 Jahren hatte ich mal einen Kollegen, dem fiel das tatsächlich auf und er meinte: „Julia, fällt dir das eigentlich auf, dass du immer „Soooo…“ sagst?“. Dem ging das wohl auf den Wecker ;-)))

Nun, das ist wohl meine Art, um meine im Moment nicht zum Ziel beitragenden Gedanken allesamt in die Abstellkammer zu legen und mich auf das aktuell Wichtige zu konzentrieren.

Fokus-Pokus – warum fällt es uns Hochsensiblen denn (manchmal) so schwer, eine – für Muggels* – vermeintlich einfache und schnell abzuarbeitende Arbeit zu erledigen?

Ursache: Unser Fokus ist gerade ganz woanders. Ein Muggel würde sagen: „Dann lenk den doch einfach auf das was gerade ist und mach einfach. Machs doch einfach!“

Danke – das würde ich ja gerne tun. Um zu verstehen, was der Unterschied ist, versuche ich mich an einem Bild…

Eindrücke bleiben bei Hochsensiblen länger bestehen. Man stelle sich einen gewöhnlichen Knautschball vor – auch bekannt als „Anti-Stress-Ball“ oder Knetball – den manche Kollegen ab und an tatsächlich durchwalken – weil gerade zu viel los ist – oder anderen Kollegen an den Kopf werfen *Spaß*

Diese Knetbälle benötigen ein bisschen Zeit, sobald sie zerknautscht wurden, bis sie sich wieder in ihrem Ursprungszustand befinden.

Also: Wenn EinDRÜCKE von außen (oder innen!, z.B. Hunger) kommen, wird der Knetball von Hochsensiblen und Muggels ein-ge-drückt… Nur: Bei Hochsensiblen wird er oft tiefer eingedrückt, weil einfach mehr Informationen bei ihm ankommen – und das Zurückverformen in den Ursprungszustand dauert unter Umständen auch länger. Was bedeutet das genau? Wenn man mit zu vielen Eindrücken und Gedanken beladen ist – egal ob hochsensibel oder nicht – kann man nur schlecht etwas Neues aufnehmen bzw. mit etwas Neuem beginnen oder das Bestehende weiterführen bzw. auf bestehendes Wissen zugreifen. Der Fokus ist in diesem Moment nur schwer steuerbar… Sich sortieren ist nun angesagt – falls möglich! Falls nicht, dauert die nächste Aufgabe länger als im Normalzustand und man macht eventuell mehr Fehler. Trugschluss: Viele Hochsensible, die sich ihrer Hochsensibilität noch nicht bewusst sind, beginnen genau hier an dieser Stelle an sich selbst zu zweifeln. Deshalb ist die Erkenntnis, hochsensibel zu sein, ein großer Schatz und immens wichtig für einen selbst! Je nachdem, in welchem Zustand sich der Knautschball befindet, zweifelt man an sich und seiner (gewünschten) Konstanz, Leistung zu erbringen. Eine negative Gedankenspirale beginnt…

Deshalb sind wir – selbst bei ganz einfachen Dingen – manchmal (vielleicht auch nur gefühlt) langsamer, zerstreuter, umständlicher als es bei Muggels der Fall ist.

Dann noch eines – um eine Aufgabe wirklich gut zu machen und auch um meine Kreativität nutzen zu können, muss ich in eine Aufgabe eintauchen können – das ist genau wie die Muße beim Künstler. Eintauchen bedeutet bei mir den Fokus und alle Antennen voll und ganz auf das gerichtet, was ich gerade tue und das vorher Erlebte so gut wie möglich verarbeitet zu haben.

Wenn man diese Tatsachen erkannt hat, fällt es einem Hochsensiblen vermutlich leichter, sich seine Arbeitsumgebung – soweit es geht und soweit es in seiner Macht steht und soweit es die Umgebung zulässt – so zu schaffen und zu gestalten, wie es für ihn gerade am produktivsten ist. Das fängt bei einer gemütlichen und nett eingerichteten Umgebung an (Pflanzen, schöne Bilder, was auch immer), geht weiter zu einer reizgedämpften Umgebung (raus aus dem Großraumbüro, ruhiger Platz für komplexe Arbeiten, zur Not auch geräuschdämpfende Kopfhörer) bis hin zur Selbstfürsorge (genug gegessen, genug getrunken, sich selbst akzeptieren und mögen, …). Es gibt sehr viele Schrauben, an denen man drehen kann, um sich selbst und seinen Wohlfühlbedürfnissen gerecht zu werden.

Es sind tatsächlich sehr viel mehr Faktoren, die bei Hochsensiblen stimmen müssen, um eine vergleichbare Arbeit auszuführen wie ein Muggel das tut. Aber jetzt bitte keine Verzweiflung an dieser Stelle – wir sind dazu auf jeden Fall in der Lage, allerdings brauchen wir dafür mehr Auszeiten – vor allem auch alleine – um Eindrücke, Stimmungen, Diskussionen und Erlebnisse hochsensiblengerecht zu verdauen, neu in unserem (vermeintlich) chaotischen Ordnungssystem zu sortieren und vor allem: Diese verschiedenen Informationen – auch wenn sie auf den ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun haben – neu zu verknüpfen und so – ab und an – auch neue Erkenntnisse zu gewinnen, auf die ein Muggel niemals kommen würde. Aber zu vielen weiteren Qualitäten Hochsensibler zu einem späteren Zeitpunkt mehr. 🙂

In diesem Sinne – euch noch eine schöne Zeit in vollem Fokus-Pokus und bis bald,

Eure Julia

* Muggel: Wortkreation von J. K. Rowling in den Harry-Potter-Romanen, in diesem Blog bezeichnet dieser Begriff allerdings einen nicht-hochsensiblen Menschen (nicht gleichzusetzen mit unsensiblen Menschen!); hier übrigens noch ein schöner Comic für Muggels, um Hochsensible ein wenig besser zu verstehen und natürlich auch umgekehrt – ist aber nicht von mir, den hat eine andere Julia gezaubert 😉