Auf Schatzsuche II (direkt danach)

Hallo zusammen,

zuallererst möchte ich den lieben Menschen danken, die mir in meinem letzten Beitrag so viel mentale Unterstützung ausgesprochen und über ihre eigenen Erlebnisse berichtet haben. Ich danke euch von Herzen! Das zeigt mir, dass wir zum einen nicht alleine sind und zum anderen es unterschiedlichste Strategien gibt, um selbst an Massenveranstaltungen teilzunehmen und diese wirksam – für uns selbst und für die anderen – gestalten können.

Meine Ohren säuseln immer noch 😉 Ich war in einer riesengroßen Halle und mir war zwischendurch gar nicht bewusst, dass es doch tatsächlich etwas lauter war… Auf jeden Fall hat mein Gehörgang gerade etwas zu verarbeiten – mit dem hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Eins muss ich jetzt gleich loswerden: Meine Schatzkiste ist übervoll :-))) Es fing schon morgens am Bahngleis an, als ich auf meinen Cousin traf, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Von einem Gespräch purzelte ich sozusagen ins nächste und es war überaus angenehm. Dadurch, dass ich mich auf meine Unterhaltung konzentrierte, blendete ich die Umgebung wohl aus – ich war gefühlt heute sehr oft im Flow.

Ich hatte allerdings schon Momente, wo ich lähmende Passivität herannahen sah – als ich das spürte, versuchte ich, genau in dem Moment den Schatz zu finden. Welchen auch immer. Ich versuchte, den Bezug zwischen mir und der Umwelt wiederherzustellen, in dem ich mich entweder vollständig auf mich konzentrierte und einen Bedürfnis-Check machte oder in dem ich mich mit einem Kollegen unterhielt, der neben mir saß – wenn auch nur kurz.

Es ist das Gefühl, Dinge nicht über mich geschehen zu lassen, sondern wirksam zu sein. Auch, wenn diese Wirksamkeit von Außen nicht zu sehen sein mag – auch das Konzentrieren auf sich selbst ist eine Aktivität – und das Spüren des eigenen Inneren und der eigenen Bedürfnisse hält einen lebendig bzw. führt einen in die Lebendigkeit.

Meine Schätze heute waren:

  • Ich blieb die ganze Zeit bei mir – Achtsamkeit war mein ständiger Begleiter.
  • Lebendige, unterhaltsame und gehaltvolle Gespräche
  • Reizbekömmliche Strategien, um die großen Schlangen beim Essen, bei der Ankunft und den Pausen zu vermeiden
  • Das Essen genossen (war wirklich lecker – gutes Frühstück, am Mittag Pulled Chicken, warmer Schokokuchen und gesunde Pommes 😉 ) –> obwohl sehr viele Leute außenrum waren, sind auch ständig vorbeigelaufen
  • Die Erkenntnis, dass es sich lohnt, etwas langsamer und bewusster als sonst zu bewegen und zu sprechen – das merkt niemand 😉
  • Die frische Luft in der Pause – erstmal raus und Füße vertreten
  • Die Mimik von den Menschen, nachdem sie eine ungewöhnliche Frage von mir gestellt bekommen haben
  • Das Bewusstsein, dass ich durch meine Strategien eine für mich ungewohnte Selbstwirksamkeit spüre – das ist ein wirklich befreiendes und wohltuendes Gefühl!
  • Ich bin in der Lage, mir Zeit bei der Kommunikation zu lassen. Das macht ein Gespräch – zumindest für mich – lebendiger, da ich so wirksamer rede und zuhöre. Das muss ich unbedingt auch in Situationen ausprobieren, wo ich gefühlt unter Druck stehe. Genau da hilft die gefühlte Langsamkeit…
  • Viele Menschen getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Und mit fast jedem von ihnen habe ich mich ausgetauscht. Das war schön.
  • Mit Lockerheit durch den Tag. Es kam keine Hektik auf – ich habe mich von äußeren Umständen zu nichts drängen lassen – auch nicht in der Menschenmasse.
  • Ehrlich gesagt bin ich gerade etwas baff – warum ist mir das heute so gut gelungen?
  • Mit 3 lieben Kollegen die Heimfahrt in der S-Bahn angetreten. Ein ganz wunderbarer Ausklang…
  • Nicht bis zum Schluss der Veranstaltung geblieben. Etwas früher gegangen – länger zu bleiben, hätte mir nichts mehr genützt. Im Gegenteil.
  • Mir ist bewusst geworden, dass ich immer mehr meiner Selbstwahrnehmung vertraue und diese immer mehr achte. Balsam für die Seele 🙂
  • Größere Resilienz, wenn ich den Sinn meines Daseins auf der Veranstaltung spüre und Spaß daran habe.

Das war es auch schon mit dem Rückblick für heute.

Ich würde mich sehr freuen, noch mehr von euren Strategien zu erfahren, die ihr auf solchen Veranstaltungen im Gepäck habt 🙂

Einen schönen Abend euch,
Julia

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10 Gedanken zu „Auf Schatzsuche II (direkt danach)

    1. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Autor

      Ah – sehr schön! Jep – das Schreiben wirkt einfach befreiend. Danke!

      Wegen deines anderen Kommentars an Martin, den ich jetzt nicht freigegeben habe: Würde es dir etwas ausmachen, diesen auf Martins Seite zu positionieren? Ich bin mir nicht sicher, ob dieser hilfreich für ihn ist… Deshalb wäre es mir wichtig, du klärst es mit ihm persönlich und direkt. Wäre das für dich ok so? Kommst du noch an deinen Kommentar ran?

      Danke.

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  1. Martin 171171

    Hallo,

    erst einmal Glückwunsch und Danke für den Bericht. So anfassbar und nah.

    In meinen beruflichen Kontexten bin ich immer mal wieder bei größeren Veranstaltungen unterwegs. In verschiedensten Rollen. Doch diese sind egal, solange es eben die beruflichen Kontexte sind. Ich fahre hin – mache meine Dinge – freue mich darüber, wie und wenn es funktioniert.

    Ganz anders eben, sobald es jedwede andere Bezüge sind. Da ist selbst das Einkaufen in einem volleren Geschäft eine große Hürde. Familienfeste (trotz einiger netter und interessanter Menschen) schon ab wenigen Personen erscheinen als Mount Everest Besteigung. Bus und Bahn fahren ging seltenst, seit über 20 Jahre überhaupt nicht mehr. Geschlossene und/oder enge Räumlichkeiten betrete ich nicht oder drehe vorher um. Das Wartezimmer eines Arztes ist ein Folterkeller.

    Die (leider ?) wenigen (?) Strategien, die ich in diesem Zusammenhang habe:

    a) Absage und Vermeidung – und dazu stehen („Es ist mir zuviel“).
    b) Antizyklische (sehr früh/spät/Feiertage) Besuche von Ärzten , Kinos, Einkaufsläden.
    c) Einen Rückzugsraum in unserem Haus definiert.
    d) Nichts mehr auf die Verwunderung meiner Mitmenschen reagieren.
    e) Fortlaufend nur die Kontakte pflegen, die mich akzeptieren, mir guttun.
    f) Und immer mehr und am deutlichsten – zu Glaube und Gott zurück finden.

    Ich wünsche uns allen einen lebendigen Austausch über jedwede Möglichkeit und Strategie. So dass wir alle von einander lernen und profitieren können.

    Martin 171171

    Gefällt 6 Personen

    Antwort
    1. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker) Autor

      Lieber Martin,

      ich freue mich sehr über deine Rückmeldung 🙂

      Ich kann mir gut vorstellen, wenn man beruflich oft auf solchen Veranstaltungen ist und sich eine gewisse Routine etabliert hat, dass man dann seine Wege sozusagen kennt und Rituale hat, um sein Ding zu machen.

      Meinst du mit „anderen Bezügen“ Kontexte, in denen du keinen Sinn bzw. Freude empfindest? Oder was ist der genaue Unterschied zum beruflichen Kontext?

      Ich kann sehr viele deiner Strategien nachvollziehen. Bei a) z.B. lasse ich mir trotzdem immer noch Notlügen einfallen, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass viele Menschen nicht damit umgehen können, wenn ich sage, dass es mir im Moment einfach zu viel ist. Aber vielleicht würde sich gerade dann ein Gespräch in eine andere Richtung entwickeln. Es wäre einen Versuch wert 😉

      Danke für den Denkanstoß 🙂 Und ja – gegenseitiger Austausch bereichert ungemein.

      Liebe Grüße,
      Julia

      Gefällt 2 Personen

      Antwort
      1. Martin 171171

        Julia … die Sorge für die anderen Menschen …. sie liegt bei den anderen Menschen ! Zumindest versuche ich, dies für mich in Umsetzung zu bringen ! „Not“ und „Lüge“ … schon vom Wortsinn her schwer und erdrückend … beide Inhalte versuche ich, nicht mehr in und bei mir Raum greifen zu lassen !

        Anstrengend … viel Kampf … vereinsamend … lohnenswert !

        Martin 171171

        Gefällt 2 Personen

        Antwort

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